Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 8 - 4

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wunderst dich, wie diese Leidenschaft sich deiner Therese bemächtiget
hat. Es ist keine Leidenschaft, es ist überzeugung, daß, da Lothario
nicht mein werden konnte, dieser neue Freund das Glück meines Lebens
machen wird. Sag ihm das im Namen des kleinen Knaben, der mit ihm
unter der Eiche saß und sich seiner Teilnahme freute! Sag ihm das im
Namen Theresens, die seinem Antrage mit einer herzlichen Offenheit
entgegenkam! Mein erster Traum, wie ich mit Lothario leben würde, ist
weit von meiner Seele weggerückt; der Traum, wie ich mit meinem neuen
Freund zu leben gedachte, steht noch ganz gegenwärtig vor mir. Achtet
man mich so wenig, daß man glaubt, es sei so was Leichtes, diesen mit
jenem aus dem Stegreife wieder umzutauschen?"
"Ich verlasse mich auf Sie", sagte Natalie zu Wilhelmen, indem sie ihm
den Brief Theresens gab; "Sie entfliehen mir nicht. Bedenken Sie, daß
Sie das Glück meines Lebens in Ihrer Hand haben! Mein Dasein ist mit
dem Dasein meines Bruders so innig verbunden und verwurzelt, daß er
keine Schmerzen fühlen kann, die ich nicht empfinde, keine Freude, die
nicht auch mein Glück macht. Ja ich kann wohl sagen, daß ich allein
durch ihn empfunden habe, daß das Herz gerührt und erhoben, daß auf
der Welt Freude, Liebe und ein Gefühl sein kann, das über alles
Bedürfnis hinaus befriedigt."
Sie hielt inne, Wilhelm nahm ihre Hand und rief: "O fahren Sie fort!
Es ist die rechte Zeit zu einem wahren, wechselseitigen Vertrauen; wir
haben nie nötiger gehabt, uns genauer zu kennen."
"Ja, mein Freund!" sagte sie lächelnd mit ihrer ruhigen, sanften,
unbeschreiblichen Hoheit, "es ist vielleicht nicht außer der Zeit,
wenn ich Ihnen sage, daß alles, was uns so manches Buch, was uns die
Welt als Liebe nennt und zeigt, mir immer nur als ein Märchen
erschienen sei."
"Sie haben nicht geliebt?" rief Wilhelm aus.
"Nie oder immer!" versetzte Natalie.


VIII. Buch, 5. Kapitel--1


Fünftes Kapitel
Sie waren unter diesem Gespräch im Garten auf und ab gegangen, Natalie
hatte verschiedene Blumen von seltsamer Gestalt gebrochen, die
Wilhelmen völlig unbekannt waren und nach deren Namen er fragte.
"Sie vermuten wohl nicht", sagte Natalie, "für wen ich diesen Strauß
pflücke? Er ist für meinen Oheim bestimmt, dem wir einen Besuch
machen wollen. Die Sonne scheint eben so lebhaft nach dem Saale der
Vergangenheit, ich muß Sie diesen Augenblick hineinführen, und ich
gehe niemals hin, ohne einige von den Blumen, die mein Oheim besonders
begünstigte, mitzubringen. Er war ein sonderbarer Mann und der
eigensten Eindrücke fähig. Für gewisse Pflanzen und Tiere, für
gewisse Menschen und Gegenden, ja sogar zu einigen Steinarten hatte er
eine entschiedene Neigung, die selten erklärlich war. "Wenn ich
nicht", pflegte er oft zu sagen, "mir von Jugend auf so sehr
widerstanden hätte, wenn ich nicht gestrebt hätte, meinen Verstand ins
Weite und Allgemeine auszubilden, so wäre ich der beschränkteste und
unerträglichste Mensch geworden: denn nichts ist unerträglicher als
abgeschnittene Eigenheit an demjenigen, von dem man eine reine,
gehörige Tätigkeit fordern kann." Und doch mußte er selbst gestehen,
daß ihm gleichsam Leben und Atem ausgehen würde, wenn er sich nicht
von Zeit zu Zeit nachsähe und sich erlaubte, das mit Leidenschaft zu
genießen, was er eben nicht immer loben und entschuldigen konnte.
"Meine Schuld ist es nicht", sagte er, "wenn ich meine Triebe und
meine Vernunft nicht völlig habe in Einstimmung bringen können." Bei
solchen Gelegenheiten pflegte er meist über mich zu scherzen und zu
sagen: Natalien kann man bei Leibesleben seligpreisen, da ihre Natur
nichts fordert, als was die Welt wünscht und braucht.""
Unter diesen Worten waren sie wieder in das Hauptgebäude gelangt. Sie
führte ihn durch einen geräumigen Gang auf eine Türe zu, vor der zwei
Sphinxe von Granit lagen. Die Türe selbst war auf ägyptische Weise
oben ein wenig enger als unten, und ihre ehernen Flügel bereiteten zu
einem ernsthaften, ja zu einem schauerlichen Anblick vor. Wie
angenehm ward man daher überrascht, als diese Erwartung sich in die
reinste Heiterkeit auflöste, indem man in einen Saal trat, in welchem
Kunst und Leben jede Erinnerung an Tod und Grab aufhoben. In die
Wände waren verhältnismäßige Bogen vertieft, in denen größere
Sarkophagen standen; in den Pfeilern dazwischen sah man kleinere
öffnungen, mit Aschenkästchen und Gefäßen geschmückt; die übrigen
Flächen der Wände und des Gewölbes sah man regelmäßig abgeteilt und
zwischen heitern und mannigfaltigen Einfassungen, Kränzen und Zieraten
heitere und bedeutende Gestalten in Feldern von verschiedener Größe
gemalt. Die architektonischen Glieder waren mit dem schönen gelben
Marmor, der ins Rötliche hinüberblickt, bekleidet, hellblaue Streifen
von einer glücklichen chemischen Komposition ahmten den Lasurstein
nach und gaben, indem sie gleichsam in einem Gegensatz das Auge
befriedigten, dem Ganzen Einheit und Verbindung. Alle diese Pracht
und Zierde stellte sich in reinen architektonischen Verhältnissen dar,
und so schien jeder, der hineintrat, über sich selbst erhoben zu sein,
indem er durch die zusammentreffende Kunst erst erfuhr, was der Mensch
sei und was er sein könne.
Der Türe gegenüber sah man auf einem prächtigen Sarkophagen das
Marmorbild eines würdigen Mannes, an ein Polster gelehnt. Er hielt
eine Rolle vor sich und schien mit stiller Aufmerksamkeit
daraufzublicken. Sie war so gerichtet, daß man die Worte, die sie
enthielt, bequem lesen konnte. Es stand darauf: "Gedenke zu leben!"
Natalie, indem sie einen verwelkten Strauß wegnahm, legte den frischen
vor das Bild des Oheims; denn er selbst war in der Figur vorgestellt,
und Wilhelm glaubte sich noch der Züge des alten Herrn zu erinnern,
den er damals im Walde gesehen hatte. "Hier brachten wir manche
Stunde zu", sagte Natalie, "bis dieser Saal fertig war. In seinen
letzten Jahren hatte er einige geschickte Künstler an sich gezogen,
und seine beste Unterhaltung war, die Zeichnungen und Kartone zu
diesen Gemälden aussinnen und bestimmen zu helfen."
Wilhelm konnte sich nicht genug der Gegenstände freuen, die ihn
umgaben. "Welch ein Leben", rief er aus, "in diesem Saale der
Vergangenheit! Man könnte ihn ebensogut den Saal der Gegenwart und
der Zukunft nennen. So war alles, und so wird alles sein! Nichts ist
vergänglich als der eine, der genießt und zuschaut. Hier dieses Bild
der Mutter, die ihr Kind ans Herz drückt, wird viele Generationen
glücklicher Mütter überleben. Nach Jahrhunderten vielleicht erfreut
sich ein Vater dieses bärtigen Mannes, der seinen Ernst ablegt und
sich mit seinem Sohne neckt. So verschämt wird durch alle Zeiten die
Braut sitzen und bei ihren stillen Wünschen noch bedürfen, daß man sie
tröste, daß man ihr zurede; so ungeduldig wird der Bräutigam auf der
Schwelle horchen, ob er hereintreten darf."
Wilhelms Augen schweiften auf unzählige Bilder umher. Vom ersten
frohen Triebe der Kindheit, jedes Glied im Spiele nur zu brauchen und
zu üben, bis zum ruhigen, abgeschiedenen Ernste des Weisen konnte man
in schöner, lebendiger Folge sehen, wie der Mensch keine angeborne
Neigung und Fähigkeit besitzt, ohne sie zu brauchen und zu nutzen.
Von dem ersten zarten Selbstgefühl, wenn das Mädchen verweilt, den
Krug aus dem klaren Wasser wieder heraufzuheben, und indessen ihr Bild
gefällig betrachtet, bis zu jenen hohen Feierlichkeiten, wenn Könige
und Völker zu Zeugen ihrer Verbindungen die Götter am Altare anrufen,
zeigte sich alles bedeutend und kräftig.
Es war eine Welt, es war ein Himmel, der den Beschauenden an dieser
Stätte umgab, und außer den Gedanken, welche jene gebildeten Gestalten
erregten, außer den Empfindungen, welche sie einflößten, schien noch
etwas andres gegenwärtig zu sein, wovon der ganze Mensch sich
angegriffen fühlte. Auch Wilhelm bemerkte es, ohne sich davon
Rechenschaft geben zu können. "Was ist das", rief er aus, "das,
unabhängig von aller Bedeutung, frei von allem Mitgefühl, das uns
menschliche Begebenheiten und Schicksale einflößen, so stark und
zugleich so anmutig auf mich zu wirken vermag? Es spricht aus dem
Ganzen, es spricht aus jedem Teile mich an, ohne daß ich jenes
begreifen, ohne daß ich diese mir besonders zueignen könnte! Welchen
Zauber ahn ich in diesen Flächen, diesen Linien, diesen Höhen und
Breiten, diesen Massen und Farben! Was ist es, das diese Figuren,
auch nur obenhin betrachtet, schon als Zierat so erfreulich macht? Ja,
ich fühle, man könnte hier verweilen, ruhen, alles mit den Augen
fassen, sich glücklich finden und ganz etwas andres fühlen und denken
als das, was vor Augen steht."
Und gewiß, könnten wir beschreiben, wie glücklich alles eingeteilt war,
wie an Ort und Stelle durch Verbindung oder Gegensatz, durch
Einfärbigkeit oder Buntheit alles bestimmt, so und nicht anders
erschien, als es erscheinen sollte, und eine so vollkommene als
deutliche Wirkung hervorbrachte, so würden wir den Leser an einen Ort
versetzen, von dem er sich so bald nicht zu entfernen wünschte.
Vier große marmorne Kandelaber standen in den Ecken des Saals, vier
kleinere in der Mitte um einen sehr schön gearbeiteten Sarkophag, der
seiner Größe nach eine junge Person von mittlerer Gestalt konnte
enthalten haben.
Natalie blieb bei diesem Monumente stehen, und indem sie die Hand
darauflegte, sagte sie: "Mein guter Oheim hatte große Vorliebe zu
diesem Werke des Altertums. Er sagte manchmal: "Nicht allein die
ersten Blüten fallen ab, die ihr da oben in jenen kleinen Räumen
verwahren könnt, sondern auch Früchte, die am Zweige hängend uns noch
lange die schönste Hoffnung geben, indes ein heimlicher Wurm ihre
frühere Reife und ihre Zerstörung vorbereitet." Ich fürchte", fuhr
sie fort, "er hat auf das liebe Mädchen geweissagt, das sich unserer
Pflege nach und nach zu entziehen und zu dieser ruhigen Wohnung zu
neigen scheint."
Als sie im Begriff waren wegzugehn, sagte Natalie: "Ich muß Sie noch
auf etwas aufmerksam machen. Bemerken Sie diese halbrunden öffnungen
in der Höhe auf beiden Seiten! Hier können die Chöre der Sänger
verborgen stehen, und diese ehrnen Zieraten unter dem Gesimse dienen,
die Teppiche zu befestigen, die nach der Verordnung meines Oheims bei
jeder Bestattung aufgehängt werden sollen. Er konnte nicht ohne Musik,
besonders nicht ohne Gesang leben und hatte dabei die Eigenheit, daß
er die Sänger nicht sehen wollte. Er pflegte zu sagen: "Das Theater
verwöhnt uns gar zu sehr, die Musik dient dort nur gleichsam dem Auge,
sie begleitet die Bewegungen, nicht die Empfindungen. Bei Oratorien
und Konzerten stört uns immer die Gestalt des Musikus; die wahre Musik
ist allein fürs Ohr; eine schöne Stimme ist das Allgemeinste, was sich
denken läßt, und indem das eingeschränkte Individuum, das sie
hervorbringt, sich vors Auge stellt, zerstört es den reinen Effekt
jener Allgemeinheit. Ich will jeden sehen, mit dem ich reden soll,
denn es ist ein einzelner Mensch, dessen Gestalt und Charakter die
Rede wert oder unwert macht; hingegen wer mir singt, soll unsichtbar
sein; seine Gestalt soll mich nicht bestechen oder irremachen. Hier
spricht nur ein Organ zum Organe, nicht der Geist zum Geiste, nicht
eine tausendfältige Welt zum Auge, nicht ein Himmel zum Menschen."
Ebenso wollte er auch bei Instrumentalmusiken die Orchester soviel als
möglich versteckt haben, weil man durch die mechanischen Bemühungen
und durch die notdürftigen, immer seltsamen Gebärden der
Instrumentenspieler so sehr zerstreut und verwirrt werde. Er pflegte
daher eine Musik nicht anders als mit zugeschlossenen Augen anzuhören,
um sein ganzes Dasein auf den einzigen, reinen Genuß des Ohrs zu
konzentrieren."
Sie wollten eben den Saal verlassen, als sie die Kinder in dem Gange
heftig laufen und den Felix rufen hörten: "Nein ich! nein ich!"
Mignon warf sich zuerst zur geöffneten Türe herein; sie war außer Atem
und konnte kein Wort sagen; Felix, noch in einiger Entfernung, rief:
"Mutter Therese ist da!" Die Kinder hatten, so schien es, die
Nachricht zu überbringen, einen Wettlauf angestellt. Mignon lag in
Nataliens Armen, ihr Herz pochte gewaltsam.
"Böses Kind", sagte Natalie, "ist dir nicht alle heftige Bewegung
untersagt? Sieh, wie dein Herz schlägt!"
"Laß es brechen!" sagte Mignon mit einem tiefen Seufzer, "es schlägt
schon zu lange."
Man hatte sich von dieser Verwirrung, von dieser Art von Bestürzung
kaum erholt, als Therese hereintrat. Sie flog auf Natalien zu,
umarmte sie und das gute Kind. Dann wendete sie sich zu Wilhelmen,
sah ihn mit ihren klaren Augen an und sagte: "Nun, mein Freund, wie
steht es, Sie haben sich doch nicht irremachen lassen?" Er tat einen
Schritt gegen sie, sie sprang auf ihn zu und hing an seinem Halse. "O
meine Therese!" rief er aus.
"Mein Freund! mein Geliebter! mein Gatte! ja, auf ewig die Deine!"
rief sie unter den lebhaftesten Küssen.
Felix zog sie am Rocke und rief: "Mutter Therese, ich bin auch da!"
Natalie stand und sah vor sich hin; Mignon fuhr auf einmal mit der
linken Hand nach dem Herzen, und indem sie den rechten Arm heftig
ausstreckte, fiel sie mit einem Schrei zu Nataliens Füßen für tot
nieder.
Der Schrecken war groß: keine Bewegung des Herzens noch des Pulses war
zu spüren. Wilhelm nahm sie auf seinen Arm und trug sie eilig hinauf,
der schlotternde Körper hing über seine Schultern. Die Gegenwart des
Arztes gab wenig Trost; er und der junge Wundarzt, den wir schon
kennen, bemühten sich vergebens. Das liebe Geschöpf war nicht ins
Leben zurückzurufen.
Natalie winkte Theresen. Diese nahm ihren Freund bei der Hand und
führte ihn aus dem Zimmer. Er war stumm und ohne Sprache und hatte
den Mut nicht, ihren Augen zu begegnen. So saß er neben ihr auf dem
Kanapee, auf dem er Natalien zuerst angetroffen hatte. Er dachte mit
großer Schnelle eine Reihe von Schicksalen durch, oder vielmehr er
dachte nicht, er ließ das auf seine Seele wirken, was er nicht
entfernen konnte. Es gibt Augenblicke des Lebens, in welchen die
Begebenheiten gleich geflügelten Weberschiffchen vor uns sich hin und
wider bewegen und unaufhaltsam ein Gewebe vollenden, das wir mehr oder
weniger selbst gesponnen und angelegt haben. "Mein Freund!" sagte
Therese; "mein Geliebter!" indem sie das Stillschweigen unterbrach und
ihn bei der Hand nahm, "laß uns diesen Augenblick fest zusammenhalten,
wie wir noch öfters, vielleicht in ähnlichen Fällen, werden zu tun
haben. Dies sind die Ereignisse, welche zu ertragen man zu zweien in
der Welt sein muß. Bedenke, mein Freund, fühle, daß du nicht allein
bist, zeige, daß du deine Therese liebst, zuerst dadurch, daß du deine
Schmerzen ihr mitteilst!" Sie umarmte ihn und schloß ihn sanft an
ihren Busen; er faßte sie in seine Arme und drückte sie mit Heftigkeit
an sich. "Das arme Kind", rief er aus, "suchte in traurigen
Augenblicken Schutz und Zuflucht an meinem unsichern Busen; laß die
Sicherheit des deinigen mir in dieser schrecklichen Stunde zugute
kommen." Sie hielten sich fest umschlossen, er fühlte ihr Herz an
seinem Busen schlagen, aber in seinem Geiste war es öde und leer; nur
die Bilder Mignons und Nataliens schwebten wie Schatten vor seiner
Einbildungskraft.
Natalie trat herein. "Gib uns deinen Segen!" rief Therese, "laß uns
in diesem traurigen Augenblicke von dir verbunden sein." Wilhelm
hatte sein Gesicht an Theresens Halse verborgen; er war glücklich
genug, weinen zu können. Er hörte Natalien nicht kommen, er sah sie
nicht, nur bei dem Klang ihrer Stimme verdoppelten sich seine Tränen.
"Was Gott zusammenfügt, will ich nicht scheiden", sagte Natalie
lächelnd, "aber verbinden kann ich euch nicht und kann nicht loben,
daß Schmerz und Neigung die Erinnerung an meinen Bruder völlig aus
euren Herzen zu verbannen scheint." Wilhelm riß sich bei diesen
Worten aus den Armen Theresens. "Wo wollen Sie hin?" riefen beide
Frauen. "Lassen Sie mich das Kind sehen", rief er aus, "das ich
getötet habe! Das Unglück, das wir mit Augen sehen, ist geringer, als
wenn unsere Einbildungskraft das übel gewaltsam in unser Gemüt
einsenkt; lassen Sie uns den abgeschiedenen Engel sehen! Seine
heitere Miene wird uns sagen, daß ihm wohl ist!" Da die Freundinnen
den bewegten Jüngling nicht abhalten konnten, folgten sie ihm; aber
der gute Arzt, der mit dem Chirurgus ihnen entgegenkam, hielt sie ab,
sich der Verblichenen zu nähern, und sagte: "Halten Sie sich von
diesem traurigen Gegenstande entfernt, und erlauben Sie mir, daß ich
den Resten dieses sonderbaren Wesens, soviel meine Kunst vermag,
einige Dauer gebe. Ich will die schöne Kunst, einen Körper nicht
allein zu balsamieren, sondern ihm auch ein lebendiges Ansehn zu
erhalten, bei diesem geliebten Geschöpfe sogleich anwenden. Da ich
ihren Tod voraussah, habe ich alle Anstalten gemacht, und mit diesem
Gehülfen hier soll mir's gelingen. Erlauben Sie mir nur noch einige
Tage Zeit, und verlangen Sie das liebe Kind nicht wieder zu sehen, bis
wir es in den Saal der Vergangenheit gebracht haben."
Der junge Chirurgus hatte jene merkwürdige Instrumententasche wieder
in Händen. "Von wem kann er sie wohl haben?" fragte Wilhelm den Arzt.
"Ich kenne sie sehr gut", versetzte Natalie, "er hat sie von seinem
Vater, der Sie damals im Walde verband."
"Oh, so habe ich mich nicht geirrt," rief Wilhelm, "ich erkannte das
Band sogleich! Treten Sie mir es ab! Es brachte mich zuerst wieder
auf die Spur von meiner Wohltäterin. Wieviel Wohl und Wehe überdauert
nicht ein solches lebloses Wesen! Bei wieviel Schmerzen war dies Band
nicht schon gegenwärtig, und seine Fäden halten noch immer! Wie
vieler Menschen letzten Augenblick hat es schon begleitet, und seine
Farben sind noch nicht verblichen! Es war gegenwärtig in einem der
schönsten Augenblicke meines Lebens, da ich verwundet auf der Erde lag
und Ihre hülfreiche Gestalt vor mir erschien, als das Kind mit
blutigen Haaren, mit der zärtlichsten Sorgfalt für mein Leben besorgt
war, dessen frühzeitigen Tod wir nun beweinen."
Die Freunde hatten nicht lange Zeit, sich über diese traurige
Begebenheit zu unterhalten und Fräulein Theresen über das Kind und
über die wahrscheinliche Ursache seines unerwarteten Todes aufzuklären;
denn es wurden Fremde gemeldet, die, als sie sich zeigten,
keinesweges fremd waren. Lothario, Jarno, der Abbe traten herein.
Natalie ging ihrem Bruder entgegen; unter den übrigen entstand ein
augenblickliches Stillschweigen. Therese sagte lächelnd zu Lothario:
"Sie glaubten wohl kaum, mich hier zu finden; wenigstens ist es eben
nicht rätlich, daß wir uns in diesem Augenblick aufsuchen; indessen
sein Sie mir nach einer so langen Abwesenheit herzlich gegrüßt."
Lothario reichte ihr die Hand und versetzte: "Wenn wir einmal leiden
und entbehren sollen, so mag es immerhin auch in der Gegenwart des
geliebten, wünschenswerten Gutes geschehen. Ich verlange keinen
Einfluß auf Ihre Entschließung, und mein Vertrauen auf Ihr Herz, auf
Ihren Verstand und reinen Sinn ist noch immer so groß, daß ich Ihnen
mein Schicksal und das Schicksal meines Freundes gerne in die Hand
lege."
Das Gespräch wendete sich sogleich zu allgemeinen, ja man darf sagen,
zu unbedeutenden Gegenständen. Die Gesellschaft trennte sich bald zum
Spazierengehen in einzelne Paare. Natalie war mit Lothario, Therese
mit dem Abbe gegangen, und Wilhelm war mit Jarno auf dem Schlosse
geblieben.


VIII. Buch, 5. Kapitel--2


Die Erscheinung der drei Freunde in dem Augenblick, da Wilhelmen ein
schwerer Schmerz auf der Brust lag, hatte, statt ihn zu zerstreuen,
seine Laune gereizt und verschlimmert; er war verdrießlich und
argwöhnisch und konnte und wollte es nicht verhehlen, als Jarno ihn
über sein mürrisches Stillschweigen zur Rede setzte. "Was braucht's
da weiter?" rief Wilhelm aus. "Lothario kommt mit seinen Beiständen,
und es wäre wunderbar, wenn jene geheimnisvollen Mächte des Turms, die
immer so geschäftig sind, jetzt nicht auf uns wirken und ich weiß
nicht was für einen seltsamen Zweck mit und an uns ausführen sollten.
Soviel ich diese heiligen Männer kenne, scheint es jederzeit ihre
löbliche Absicht, das Verbundene zu trennen und das Getrennte zu
verbinden. Was daraus für ein Gewebe entstehen kann, mag wohl unsern
unheiligen Augen ewig ein Rätsel bleiben."
"Sie sind verdrießlich und bitter", sagte Jarno, "das ist recht schön
und gut. Wenn Sie nur erst einmal recht böse werden, wird es noch
besser sein."
"Dazu kann auch Rat werden", versetzte Wilhelm, "und ich fürchte sehr,
daß man Lust hat, meine angeborne und angebildete Geduld diesmal aufs
äußerste zu reizen."
"So möchte ich Ihnen denn doch", sagte Jarno, "indessen, bis wir sehen,
wo unsere Geschichten hinauswollen, etwas von dem Turme erzählen,
gegen den Sie ein so großes Mißtrauen zu hegen scheinen."
"Es steht bei Ihnen", versetzte Wilhelm, "wenn Sie es auf meine
Zerstreuung hin wagen wollen. Mein Gemüt ist so vielfach beschäftigt,
daß ich nicht weiß, ob es an diesen würdigen Abenteuern den schuldigen
Teil nehmen kann."
"Ich lasse mich", sagte Jarno, "durch Ihre angenehme Stimmung nicht
abschrecken, Sie über diesen Punkt aufzuklären. Sie halten mich für
einen gescheiten Kerl, und Sie sollen mich auch noch für einen
ehrlichen halten, und, was mehr ist, diesmal hab ich Auftrag."--"Ich
wünschte", versetzte Wilhelm, "Sie sprächen aus eigner Bewegung und
aus gutem Willen, mich aufzuklären; und da ich Sie nicht ohne
Mißtrauen hören kann, warum soll ich Sie anhören?"--"Wenn ich jetzt
nichts Besseres zu tun habe", sagte Jarno, "als Märchen zu erzählen,
so haben Sie ja auch wohl Zeit, ihnen einige Aufmerksamkeit zu widmen;
vielleicht sind Sie dazu geneigter, wenn ich Ihnen gleich anfangs sage:
alles, was Sie im Turme gesehen haben, sind eigentlich nur noch
Reliquien von einem jugendlichen Unternehmen, bei dem es anfangs den
meisten Eingeweihten großer Ernst war und über das nun alle
gelegentlich nur lächeln."
"Also mit diesen würdigen Zeichen und Worten spielt man nur!" rief
Wilhelm aus, "man führt uns mit Feierlichkeit an einen Ort, der uns
Ehrfurcht einflößt, man läßt uns die wunderlichsten Erscheinungen
sehen, man gibt uns Rollen voll herrlicher, geheimnisreicher Sprüche,
davon wir freilich das wenigste verstehn, man eröffnet uns, daß wir
bisher Lehrlinge waren, man spricht uns los, und wir sind so klug wie
vorher."--"Haben Sie das Pergament nicht bei der Hand?" fragte Jarno,
"es enthält viel Gutes: denn jene allgemeinen Sprüche sind nicht aus
der Luft gegriffen; freilich scheinen sie demjenigen leer und dunkel,
der sich keiner Erfahrung dabei erinnert. Geben Sie mir den
sogenannten Lehrbrief doch, wenn er in der Nähe ist."--"Gewiß, ganz
nah", versetzte Wilhelm; "so ein Amulett sollte man immer auf der
Brust tragen."--"Nun", sagte Jarno lächelnd, "wer weiß, ob der Inhalt
nicht einmal in Ihrem Kopf und Herzen Platz findet."
Jarno blickte hinein und überlief die erste Hälfte mit den Augen.
"Diese", sagte er, "bezieht sich auf die Ausbildung des Kunstsinnes,
wovon andere sprechen mögen; die zweite handelt vom Leben, und da bin
ich besser zu Hause."
Er fing darauf an, Stellen zu lesen, sprach dazwischen und knüpfte
Anmerkungen und Erzählungen mit ein. "Die Neigung der Jugend zum
Geheimnis, zu Zeremonien und großen Worten ist außerordentlich, und
oft ein Zeichen einer gewissen Tiefe des Charakters. Man will in
diesen Jahren sein ganzes Wesen, wenn auch nur dunkel und unbestimmt,
ergriffen und berührt fühlen. Der Jüngling, der vieles ahnet, glaubt
in einem Geheimnisse viel zu finden, in ein Geheimnis viel legen und
durch dasselbe wirken zu müssen. In diesen Gesinnungen bestärkte der
Abbe eine junge Gesellschaft, teils nach seinen Grundsätzen, teils aus
Neigung und Gewohnheit, da er wohl ehemals mit einer Gesellschaft in
Verbindung stand, die selbst viel im verborgenen gewirkt haben mochte.
Ich konnte mich am wenigsten in dieses Wesen finden. Ich war älter
als die andern, ich hatte von Jugend auf klar gesehen und wünschte in
allen Dingen nichts als Klarheit; ich hatte kein ander Interesse, als
die Welt zu kennen, wie sie war, und steckte mit dieser Liebhaberei
die übrigen besten Gefährten an, und fast hätte darüber unsere ganze
Bildung eine falsche Richtung genommen: denn wir fingen an, nur die
Fehler der andern und ihre Beschränkung zu sehen und uns selbst für
treffliche Wesen zu halten. Der Abbe kam uns zu Hülfe und lehrte uns,
daß man die Menschen nicht beobachten müsse, ohne sich für ihre
Bildung zu interessieren, und daß man sich selbst eigentlich nur in
der Tätigkeit zu beobachten und zu erlauschen imstande sei. Er riet
uns, jene ersten Formen der Gesellschaft beizubehalten; es blieb daher
etwas Gesetzliches in unsern Zusammenkünften, man sah wohl die ersten
mystischen Eindrücke auf die Einrichtung des Ganzen, nachher nahm es,
wie durch ein Gleichnis, die Gestalt eines Handwerks an, das sich bis
zur Kunst erhob. Daher kamen die Benennungen von Lehrlingen, Gehülfen
und Meistern. Wir wollten mit eigenen Augen sehen und uns ein eigenes
Archiv unserer Weltkenntnis bilden; daher entstanden die vielen
Konfessionen, die wir teils selbst schrieben, teils wozu wir andere
veranlaßten und aus denen nachher die "Lehrjahre" zusammengesetzt
wurden. Nicht allen Menschen ist es eigentlich um ihre Bildung zu tun;
viele wünschen nur so ein Hausmittel zum Wohlbefinden, Rezepte zum
Reichtum und zu jeder Art von Glückseligkeit. Alle diese, die nicht
auf ihre Füße gestellt sein wollten, wurden mit Mystifikationen und
anderm Hokuspokus teils aufgehalten, teils beiseite gebracht. Wir
sprachen nach unserer Art nur diejenigen los, die lebhaft fühlten und
deutlich bekannten, wozu sie geboren seien, und die sich genug geübt
hatten, um mit einer gewissen Fröhlichkeit und Leichtigkeit ihren Weg
zu verfolgen."
"So haben Sie sich mit mir sehr übereilt", versetzte Wilhelm; "denn
was ich kann, will oder soll, weiß ich gerade seit jenem Augenblick am
allerwenigsten."--"Wir sind ohne Schuld in diese Verwirrung geraten,
das gute Glück mag uns wieder heraushelfen; indessen hören Sie nur:
"Derjenige, an dem viel zu entwickeln ist, wird später über sich und
die Welt aufgeklärt. Es sind nur wenige, die den Sinn haben und
zugleich zur Tat fähig sind. Der Sinn erweitert, aber lähmt; die Tat
belebt, aber beschränkt.""
"Ich bitte Sie", fiel Wilhelm ein, "lesen Sie mir von diesen
wunderlichen Worten nichts mehr! Diese Phrasen haben mich schon
verwirrt genug gemacht."--"So will ich bei der Erzählung bleiben",
sagte Jarno, indem er die Rolle halb zuwickelte und nur manchmal einen
Blick hinein tat. "Ich selbst habe der Gesellschaft und den Menschen
am wenigsten genutzt; ich bin ein sehr schlechter Lehrmeister, es ist
mir unerträglich zu sehen, wenn jemand ungeschickte Versuche macht,
einem Irrenden muß ich gleich zurufen, und wenn es ein Nachtwandler
wäre, den ich in Gefahr sähe, geradenweges den Hals zu brechen.
Darüber hatte ich nun immer meine Not mit dem Abbe, der behauptet, der
Irrtum könne nur durch das Irren geheilt werden. Auch über Sie haben
wir uns oft gestritten; er hatte Sie besonders in Gunst genommen, und
es will schon etwas heißen, in dem hohen Grade seine Aufmerksamkeit
auf sich zu ziehen. Sie müssen mir nachsagen, daß ich Ihnen, wo ich
Sie antraf, die reine Wahrheit sagte."--"Sie haben mich wenig
geschont", sagte Wilhelm, "und Sie scheinen Ihren Grundsätzen treu zu
bleiben."--"Was ist denn da zu schonen", versetzte Jarno, "wenn ein
junger Mensch von mancherlei guten Anlagen eine ganz falsche Richtung
nimmt?"--"Verzeihen Sie", sagte Wilhelm, "Sie haben mir streng genug
alle Fähigkeit zum Schauspieler abgesprochen; ich gestehe Ihnen, daß,
ob ich gleich dieser Kunst ganz entsagt habe, so kann ich mich doch
unmöglich bei mir selbst dazu für ganz unfähig erklären."--"Und bei
mir", sagte Jarno, "ist es doch so rein entschieden, daß, wer sich nur
selbst spielen kann, kein Schauspieler ist. Wer sich nicht dem Sinn
und der Gestalt nach in viele Gestalten verwandeln kann, verdient
nicht diesen Namen. So haben Sie zum Beispiel den Hamlet und einige
andere Rollen recht gut gespielt, bei denen Ihr Charakter, Ihre
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Çirattagı - Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 8 - 5
  • Büleklär
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 8 - 1
    Süzlärneñ gomumi sanı 4406
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  • Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 8 - 2
    Süzlärneñ gomumi sanı 4364
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  • Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 8 - 4
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    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1496
    47.4 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    61.7 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    68.3 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 8 - 5
    Süzlärneñ gomumi sanı 4387
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1490
    45.8 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    60.0 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    66.2 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 8 - 6
    Süzlärneñ gomumi sanı 4342
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1535
    44.1 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    59.3 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    65.8 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 8 - 7
    Süzlärneñ gomumi sanı 4402
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1572
    43.4 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    58.0 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    62.7 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
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  • Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 8 - 8
    Süzlärneñ gomumi sanı 4402
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1502
    44.6 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    58.4 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    64.9 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 8 - 9
    Süzlärneñ gomumi sanı 1882
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 819
    53.4 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    65.2 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    69.9 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.