Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 4 - 4

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italki
Elemente. Bei seinen Gesprächen hatte er sonst nur notdürftig
gefällige Zuhörer gefunden, da er gegenwärtig mit Künstlern und
Kennern zu sprechen das Glück hatte, die ihn nicht allein vollkommen
verstanden, sondern die auch sein Gespräch belehrend erwiderten. Mit
welcher Geschwindigkeit ging man die neusten Stücke durch! Mit
welcher Sicherheit beurteilte man sie! Wie wußte man das Urteil des
Publikums zu prüfen und zu schätzen! In welcher Geschwindigkeit
klärte man einander auf!
Nun mußte sich bei Wilhelms Vorliebe für Shakespearen das Gespräch
notwendig auf diesen Schriftsteller lenken. Er zeigte die lebhafteste
Hoffnung auf die Epoche, welche diese vortrefflichen Stücke in
Deutschland machen müßten, und bald brachte er seinen "Hamlet" vor,
der ihn so sehr beschäftigt hatte.
Serlo versicherte, daß er das Stück längst, wenn es nur möglich
gewesen wäre, gegeben hätte, daß er gern die Rolle des Polonius
übernehmen wolle. Dann setzte er mit Lächeln hinzu: "Und Ophelien
finden sich wohl auch, wenn wir nur erst den Prinzen haben."
Wilhelm bemerkte nicht, daß Aurelien dieser Scherz des Bruders zu
mißfallen schien; er ward vielmehr nach seiner Art weitläufig und
lehrreich, in welchem Sinne er den Hamlet gespielt haben wolle. Er
legte ihnen die Resultate umständlich dar, mit welchen wir ihn oben
beschäftigt gesehn, und gab sich alle Mühe, seine Meinung annehmlich
zu machen, soviel Zweifel auch Serlo gegen seine Hypothese erregte.
"Nun gut", sagte dieser zuletzt, "Wir geben Ihnen alles zu; was wollen
Sie weiter daraus erklären?"
"Vieles, alles", versetzte Wilhelm. "Denken Sie sich einen Prinzen,
wie ich ihn geschildert habe, dessen Vater unvermutet stirbt. Ehrgeiz
und Herrschsucht sind nicht die Leidenschaften, die ihn beleben; er
hatte sich's gefallen lassen, Sohn eines Königs zu sein; aber nun ist
er erst genötigt, auf den Abstand aufmerksamer zu werden, der den
König vom Untertanen scheidet. Das Recht zur Krone war nicht erblich,
und doch hätte ein längeres Leben seines Vaters die Ansprüche seines
einzigen Sohnes mehr befestigt und die Hoffnung zur Krone gesichert.
Dagegen sieht er sich nun durch seinen Oheim, ungeachtet scheinbarer
Versprechungen, vielleicht auf immer ausgeschlossen; er fühlt sich nun
so arm an Gnade, an Gütern und fremd in dem, was er von Jugend auf als
sein Eigentum betrachten konnte. Hier nimmt sein Gemüt die erste
traurige Richtung. Er fühlt, daß er nicht mehr, ja nicht soviel ist
als jeder Edelmann; er gibt sich für einen Diener eines jeden, er ist
nicht höflich, nicht herablassend, nein, herabgesunken und bedürftig.
Nach seinem vorigen Zustande blickt er nur wie nach einem
verschwundnen Traume. Vergebens, daß sein Oheim ihn aufmuntern, ihm
seine Lage aus einem andern Gesichtspunkte zeigen will; die Empfindung
seines Nichts verläßt ihn nie.
Der zweite Schlag, der ihn traf, verletzte tiefer, beugte noch mehr.
Es ist die Heirat seiner Mutter. Ihm, einem treuen und zärtlichen
Sohne, blieb, da sein Vater starb, eine Mutter noch übrig; er hoffte,
in Gesellschaft seiner hinterlassenen edlen Mutter die Heldengestalt
jenes großen Abgeschiedenen zu verehren; aber auch seine Mutter
verliert er, und es ist schlimmer, als wenn sie ihm der Tod geraubt
hätte. Das zuverlässige Bild, das sich ein wohlgeratenes Kind so gern
von seinen Eltern macht, verschwindet; bei dem Toten ist keine Hülfe
und an der Lebendigen kein Halt. Sie ist auch ein Weib, und unter dem
allgemeinen Geschlechtsnamen Gebrechlichkeit ist auch sie begriffen.
Nun erst fühlt er sich recht gebeugt, nun erst verwaist, und kein
Glück der Welt kann ihm wieder ersetzen, was er verloren hat. Nicht
traurig, nicht nachdenklich von Natur, wird ihm Trauer und Nachdenken
zur schweren Bürde. So sehen wir ihn auftreten. Ich glaube nicht,
daß ich etwas in das Stück hineinlege oder einen Zug übertreibe."
Serlo sah seine Schwester an und sagte: "Habe ich dir ein falsches
Bild von unserm Freunde gemacht? Er fängt gut an und wird uns noch
manches vorerzählen und viel überreden. Wilhelm schwur hoch und teuer,
daß er nicht überreden, sondern überzeugen wolle, und bat nur noch um
einen Augenblick Geduld.
"Denken Sie sich", rief er aus, "diesen Jüngling, diesen Fürstensohn
recht lebhaft, vergegenwärtigen Sie sich seine Lage, und dann
beobachten Sie ihn, wenn er erfährt, die Gestalt seines Vaters
erscheine; stehen Sie ihm bei in der schrecklichen Nacht, wenn der
ehrwürdige Geist selbst vor ihm auftritt. Ein ungeheures Entsetzen
ergreift ihn; er redet die Wundergestalt an, sieht sie winken, folgt
und hört.--Die schreckliche Anklage wider seinen Oheim ertönt in
seinen Ohren, Aufforderung zur Rache und die dringende, wiederholte
Bitte: "Erinnere dich meiner!"
Und da der Geist verschwunden ist, wen sehen wir vor uns stehen?
Einen jungen Helden, der nach Rache schnaubt? Einen gebornen Fürsten,
der sich glücklich fühlt, gegen den Usurpator seiner Krone
aufgefordert zu werden? Nein! Staunen und Trübsinn überfällt den
Einsamen; er wird bitter gegen die lächelnden Bösewichter, schwört,
den Abgeschiedenen nicht zu vergessen, und schließt mit dem
bedeutenden Seufzer: "Die Zeit ist aus dem Gelenke; wehe mir, daß ich
geboren ward, sie wieder einzurichten."
In diesen Worten, dünkt mich, liegt der Schlüssel zu Hamlets ganzem
Betragen, und mir ist deutlich, daß Shakespeare habe schildern wollen:
eine große Tat auf eine Seele gelegt, die der Tat nicht gewachsen ist.
Und in diesem Sinne find ich das Stück durchgängig gearbeitet. Hier
wird ein Eichbaum in ein köstliches Gefäß gepflanzt, das nur liebliche
Blumen in seinen Schoß hätte aufnehmen sollen; die Wurzeln dehnen aus,
das Gefäß wird zernichtet.
Ein schönes, reines, edles, höchst moralisches Wesen ohne die
sinnliche Stärke, die den Helden macht, geht unter einer Last zugrunde,
die es weder tragen noch abwerfen kann; jede Pflicht ist ihm heilig,
diese zu schwer. Das Unmögliche wird von ihm gefordert, nicht das
Unmögliche an sich, sondern das, was ihm unmöglich ist. Wie er sich
windet, dreht, ängstigt, vor- und zurücktritt, immer erinnert wird,
sich immer erinnert und zuletzt fast seinen Zweck aus dem Sinne
verliert, ohne doch jemals wieder froh zu werden."


IV. Buch, 14. Kapitel


Vierzehntes Kapitel
Verschiedene Personen traten herein, die das Gespräch unterbrachen.
Es waren Virtuosen, die sich bei Serlo gewöhnlich einmal die Woche zu
einem kleinen Konzerte versammelten. Er liebte die Musik sehr und
behauptete, daß ein Schauspieler ohne diese Liebe niemals zu einem
deutlichen Begriff und Gefühl seiner eigenen Kunst gelangen könne. So
wie man viel leichter und anständiger agiere, wenn die Gebärden durch
eine Melodie begleitet und geleitet werden, so müsse der Schauspieler
sich auch seine prosaische Rolle gleichsam im Sinne komponieren, daß
er sie nicht etwa eintönig nach seiner individuellen Art und Weise
hinsudele, sondern sie in gehöriger Abwechselung nach Takt und Maß
behandle.
Aurelie schien an allem, was vorging, wenig Anteil zu nehmen, vielmehr
führte sie zuletzt unsern Freund in ein Seitenzimmer, und indem sie
ans Fenster trat und den gestirnten Himmel anschaute, sagte sie zu ihm:
"Sie sind uns manches über Hamlet schuldig geblieben; ich will zwar
nicht voreilig sein und wünsche, daß mein Bruder auch mit anhören möge,
was Sie uns noch zu sagen haben, doch lassen Sie mich Ihre Gedanken
über Ophelien hören."
"Von ihr läßt sich nicht viel sagen", versetzte Wilhelm, "denn nur mit
wenig Meisterzügen ist ihr Charakter vollendet. Ihr ganzes Wesen
schwebt in reifer, süßer Sinnlichkeit. Ihre Neigung zu dem Prinzen,
auf dessen Hand sie Anspruch machen darf, fließt so aus der Quelle,
das gute Herz überläßt sich so ganz seinem Verlangen, daß Vater und
Bruder beide fürchten, beide geradezu und unbescheiden warnen. Der
Wohlstand, wie der leichte Flor auf ihrem Busen, kann die Bewegung
ihres Herzens nicht verbergen, er wird vielmehr ein Verräter dieser
leisen Bewegung. Ihre Einbildungskraft ist angesteckt, ihre stille
Bescheidenheit atmet eine liebevolle Begierde, und sollte die bequeme
Göttin Gelegenheit das Bäumchen schütteln, so würde die Frucht
sogleich herabfallen."
"Und nun", sagte Aurelie, "wenn sie sich verlassen sieht, verstoßen
und verschmäht, wenn in der Seele ihres wahnsinnigen Geliebten sich
das Höchste zum Tiefsten umwendet und er ihr statt des süßen Bechers
der Liebe den bittern Kelch der Leiden hinreicht--"
"Ihr Herz bricht", rief Wilhelm aus, "das ganze Gerüst ihres Daseins
rückt aus seinen Fugen, der Tod ihres Vaters stürmt herein, und das
schöne Gebäude stürzt völlig zusammen."
Wilhelm hatte nicht bemerkt, mit welchem Ausdruck Aurelie die letzten
Worte aussprach. Nur auf das Kunstwerk, dessen Zusammenhang und
Vollkommenheit gerichtet, ahnete er nicht, daß seine Freundin eine
ganz andere Wirkung empfand; nicht, daß ein eigner tiefer Schmerz
durch diese dramatischen Schattenbilder in ihr lebhaft erregt ward.
Noch immer hatte Aurelie ihr Haupt von ihren Armen unterstützt und
ihre Augen, die sich mit Tränen füllten, gen Himmel gewendet. Endlich
hielt sie nicht länger ihren verborgnen Schmerz zurück; sie faßte des
Freundes beide Hände und rief, indem er erstaunt vor ihr stand:
"Verzeihen Sie, verzeihen Sie einem geängstigten Herzen! Die
italki
Gesellschaft schnürt und preßt mich zusammen; vor meinem
unbarmherzigen Bruder muß ich mich zu verbergen suchen; nun hat Ihre
Gegenwart alle Bande aufgelöst. Mein Freund!" fuhr sie fort, "seit
einem Augenblicke sind wir erst bekannt, und schon werden Sie mein
Vertrauter." Sie konnte die Worte kaum aussprechen und sank an seine
Schulter. "Denken Sie nicht übler von mir", sagte sie schluchzend,
"daß ich mich Ihnen so schnell eröffne, daß Sie mich so schwach sehen.
Sein Sie, bleiben Sie mein Freund, ich verdiene es." Er redete ihr
auf das herzlichste zu; umsonst! ihre Tränen flossen und erstickten
ihre Worte.
In diesem Augenblicke trat Serlo sehr unwillkommen herein und sehr
unerwartet Philine, die er bei der Hand hielt. "Hier ist Ihr Freund",
sagte er zu ihr; "er wird sich freun, Sie zu begrüßen."
"Wie!" rief Wilhelm erstaunt, "muß ich Sie hier sehen?" Mit einem
bescheidnen, gesetzten Wesen ging sie auf ihn los, hieß ihn willkommen,
rühmte Serlos Güte, der sie ohne ihr Verdienst, bloß in Hoffnung, daß
sie sich bilden werde, unter seine treffliche Truppe aufgenommen habe.
Sie tat dabei gegen Wilhelmen freundlich, doch aus einer
ehrerbietigen Entfernung.
Diese Verstellung währte aber nicht länger, als die beiden zugegen
waren. Denn als Aurelie, ihren Schmerz zu verbergen, wegging und
Serlo abgerufen ward, sah Philine erst recht genau nach den Türen, ob
beide auch gewiß fort seien, dann hüpfte sie wie töricht in der Stube
herum, setzte sich an die Erde und wollte vor Kichern und Lachen
ersticken. Dann sprang sie auf, schmeichelte unserm Freunde und
freute sich über alle Maßen, daß sie so klug gewesen sei,
vorauszugehen, das Terrain zu rekognoszieren und sich einzunisten.
"Hier geht es bunt zu", sagte sie, "gerade so, wie mir's recht ist.
Aurelie hat einen unglücklichen Liebeshandel mit einem Edelmanne
gehabt, der ein prächtiger Mensch sein muß und den ich selbst wohl
einmal sehen möchte. Er hat ihr ein Andenken hinterlassen, oder ich
müßte mich sehr irren. Es läuft da ein Knabe herum, ungefähr von drei
Jahren, schön wie die Sonne; der Papa mag allerliebst sein. Ich kann
sonst die Kinder nicht leiden, aber dieser Junge freut mich. Ich habe
ihr nachgerechnet. Der Tod ihres Mannes, die neue Bekanntschaft, das
Alter des Kindes, alles trifft zusammen.
Nun ist der Freund seiner Wege gegangen; seit einem Jahre sieht er sie
nicht mehr. Sie ist darüber außer sich und untröstlich. Die Närrin!
--Der Bruder hat unter der Truppe eine Tänzerin, mit der er schöntut,
ein Aktricchen, mit der er vertraut ist, in der Stadt noch einige
Frauen, denen er aufwartet, und nun steh ich auch auf der Liste. Der
Narr!--Vom übrigen Volke sollst du morgen hören. Und nun noch ein
Wörtchen von Philinen, die du kennst; die Erznärrin ist in dich
verliebt." Sie schwur, daß es wahr sei, und beteuerte, daß es ein
rechter Spaß sei. Sie bat Wilhelmen inständig, er möchte sich in
Aurelien verlieben, dann werde die Hetze erst recht angehen. "Sie
läuft ihrem Ungetreuen, du ihr, ich dir und der Bruder mir nach. Wenn
das nicht eine Lust auf ein halbes Jahr gibt, so will ich an der
ersten Episode sterben, die sich zu diesem vierfach verschlungenen
Romane hinzuwirft." Sie bat ihn, er möchte ihr den Handel nicht
verderben und ihr so viel Achtung bezeigen, als sie durch ihr
öffentliches Betragen verdienen wolle.


IV. Buch, 15. Kapitel


Funfzehntes Kapitel
Den nächsten Morgen gedachte Wilhelm Madame Melina zu besuchen; er
fand sie nicht zu Hause, fragte nach den übrigen Gliedern der
wandernden Gesellschaft und erfuhr, Philine habe sie zum Frühstück
eingeladen. Aus Neugier eilte er hin und traf sie alle sehr
aufgeräumt und getröstet. Das kluge Geschöpf hatte sie versammelt,
sie mit Schokolade bewirtet und ihnen zu verstehen gegeben, noch sei
nicht alle Aussicht versperrt; sie hoffe durch ihren Einfluß den
Direktor zu überzeugen, wie vorteilhaft es ihm sei, so geschickte
Leute in seine Gesellschaft aufzunehmen. Sie hörten ihr aufmerksam zu,
schlürften eine Tasse nach der andern hinunter, fanden das Mädchen
gar nicht übel und nahmen sich vor, das Beste von ihr zu reden.
"Glauben Sie denn", sagte Wilhelm, der mit Philinen allein geblieben
war, "daß Serlo sich noch entschließen werde, unsre Gefährten zu
behalten?"--"Mitnichten", versetzte Philine, "es ist mir auch gar
nichts daran gelegen; ich wollte, sie wären je eher je lieber fort!
Den einzigen Laertes wünscht ich zu behalten; die übrigen wollen wir
schon nach und nach beiseite bringen."
Hierauf gab sie ihrem Freunde zu verstehen, daß sie gewiß überzeugt
sei, er werde nunmehr sein Talent nicht länger vergraben, sondern
unter Direktion eines Serlo aufs Theater gehen. Sie konnte die
Ordnung, den Geschmack, den Geist, der hier herrsche, nicht genug
rühmen; sie sprach so schmeichelnd zu unserm Freunde, so
schmeichelhaft von seinen Talenten, daß sein Herz und seine
Einbildungskraft sich ebensosehr diesem Vorschlage näherten, als sein
Verstand und seine Vernunft sich davon entfernten. Er verbarg seine
Neigung vor sich selbst und vor Philinen und brachte einen unruhigen
Tag zu, an dem er sich nicht entschließen konnte, zu seinen
Handelskorrespondenten zu gehen und die Briefe, die dort für ihn
liegen möchten, abzuholen. Denn ob er sich gleich die Unruhe der
Seinigen diese Zeit über vorstellen konnte, so scheute er sich doch,
ihre Sorgen und Vorwürfe umständlich zu erfahren, um so mehr, da er
sich einen großen und reinen Genuß diesen Abend von der Aufführung
eines neuen Stücks versprach.
Serlo hatte sich geweigert, ihn bei der Probe zuzulassen. "Sie müssen
uns", sagte er, "erst von der besten Seite kennenlernen, eh wir
zugeben, daß Sie uns in die Karte sehen."
Mit der größten Zufriedenheit wohnte aber auch unser Freund den Abend
darauf der Vorstellung bei. Es war das erste Mal, daß er ein Theater
in solcher Vollkommenheit sah. Man traute sämtlichen Schauspielern
fürtreffliche Gaben, glückliche Anlagen und einen hohen und klaren
Begriff von ihrer Kunst zu, und doch waren sie einander nicht gleich;
aber sie hielten und trugen sich wechselsweise, feuerten einander an
und waren in ihrem ganzen Spiele sehr bestimmt und genau. Man fühlte
bald, daß Serlo die Seele des Ganzen war, und er zeichnete sich sehr
zu seinem Vorteil aus. Eine heitere Laune, eine gemäßigte
Lebhaftigkeit, ein bestimmtes Gefühl des Schicklichen bei einer großen
Gabe der Nachahmung mußte man an ihm, wie er aufs Theater trat, wie er
den Mund öffnete, bewundern. Die innere Behaglichkeit seines Daseins
schien sich über alle Zuhörer auszubreiten, und die geistreiche Art,
mit der er die feinsten Schattierungen der Rollen leicht und gefällig
ausdrückte, erweckte um soviel mehr Freude, als er die Kunst zu
verbergen wußte, die er sich durch eine anhaltende übung eigen gemacht
hatte.
Seine Schwester Aurelie blieb nicht hinter ihm und erhielt noch
größeren Beifall, indem sie die Gemüter der Menschen rührte, die er zu
erheitern und zu erfreuen so sehr imstande war.
Nach einigen Tagen, die auf eine angenehme Weise zugebracht wurden,
verlangte Aurelie nach unserm Freund. Er eilte zu ihr und fand sie
auf dem Kanapee liegen; sie schien an Kopfweh zu leiden, und ihr
ganzes Wesen konnte eine fieberhafte Bewegung nicht verbergen. Ihr
Auge erheiterte sich, als sie den Hereintretenden ansah. "Vergeben
Sie!" rief sie ihm entgegen; "das Zutrauen, das Sie mir einflößten,
hat mich schwach gemacht. Bisher konnt ich mich mit meinen Schmerzen
im stillen unterhalten, ja sie gaben mir Stärke und Trost; nun haben
Sie, ich weiß nicht, wie es zugegangen ist, die Bande der
Verschwiegenheit gelöst, und Sie werden nun selbst wider Willen teil
an dem Kampfe nehmen, den ich gegen mich selbst streite."
Wilhelm antwortete ihr freundlich und verbindlich. Er versicherte,
daß ihr Bild und ihre Schmerzen ihm beständig vor der Seele geschwebt,
daß er sie um ihr Vertrauen bitte, daß er sich ihr zum Freund widme.
Indem er so sprach, wurden seine Augen von dem Knaben angezogen, der
vor ihr auf der Erde saß und allerlei Spielwerk durcheinanderwarf. Er
mochte, wie Philine schon angegeben, ungefähr drei Jahre alt sein, und
Wilhelm verstand nun erst, warum das leichtfertige, in ihren
Ausdrücken selten erhabene Mädchen den Knaben der Sonne verglichen.
Denn um die offnen Augen und das volle Gesicht kräuselten sich die
schönsten goldnen Locken, an einer blendendweißen Stirne zeigten sich
zarte, dunkle, sanftgebogene Augenbrauen, und die lebhafte Farbe der
Gesundheit glänzte auf seinen Wangen. "Setzen Sie sich zu mir", sagte
Aurelie; "Sie sehen das glückliche Kind mit Verwunderung an; gewiß,
ich habe es mit Freuden auf meine Arme genommen, ich bewahre es mit
Sorgfalt; nur kann ich auch recht an ihm den Grad meiner Schmerzen
erkennen, denn sie lassen mich den Wert einer solchen Gabe nur selten
empfinden.
Erlauben Sie mir", fuhr sie fort, "daß ich nun auch von mir und meinem
Schicksale rede; denn es ist mir sehr daran gelegen, daß Sie mich
nicht verkennen. Ich glaubte einige gelassene Augenblicke zu haben,
darum ließ ich Sie rufen; Sie sind nun da, und ich habe meinen Faden
verloren.
"Ein verlaßnes Geschöpf mehr in der Welt!" werden Sie sagen. Sie sind
ein Mann und denken: "Wie gebärdet sie sich bei einem notwendigen übel,
das gewisser als der Tod über einem Weibe schwebt, bei der Untreue
eines Mannes, die Törin!"--O mein Freund, wäre mein Schicksal gemein,
ich wollte gern gemeines übel ertragen; aber es ist so außerordentlich;
warum kann ich's Ihnen nicht im Spiegel zeigen, warum nicht jemand
auftragen, es Ihnen zu erzählen! O wäre, wäre ich verführt,
überrascht und dann verlassen, dann würde in der Verzweiflung noch
Trost sein; aber ich bin weit schlimmer daran, ich habe mich selbst
hintergangen, mich selbst wider Wissen betrogen, das ist's, was ich
mir niemals verzeihen kann."
"Bei edlen Gesinnungen, wie die Ihrigen sind", versetzte der Freund,
"können Sie nicht ganz unglücklich sein."
"Und wissen Sie, wem ich meine Gesinnung schuldig bin?" fragte Aurelie,
"der allerschlechtesten Erziehung, durch die jemals ein Mädchen hätte
verderbt werden sollen, dem schlimmsten Beispiele, um Sinne und
Neigung zu verführen.
Nach dem frühzeitigen Tode meiner Mutter bracht ich die schönsten
Jahre der Entwicklung bei einer Tante zu, die sich zum Gesetz machte,
die Gesetze der Ehrbarkeit zu verachten. Blindlings überließ sie sich
einer jeden Neigung, sie mochte über den Gegenstand gebieten oder sein
Sklav' sein, wenn sie nur im wilden Genuß ihrer selbst vergessen
konnte.
Was mußten wir Kinder mit dem reinen und deutlichen Blick der Unschuld
uns für Begriffe von dem männlichen Geschlechte machen? Wie dumpf,
dringend, dreist, ungeschickt war jeder, den sie herbeireizte; wie
satt, übermütig, leer und abgeschmackt dagegen, sobald er seiner
Wünsche Befriedigung gefunden hatte. So hab ich diese Frau jahrelang
unter dem Gebote der schlechtesten Menschen erniedrigt gesehen; was
für Begegnungen mußte sie erdulden, und mit welcher Stirne wußte sie
sich in ihr Schicksal zu finden, ja mit welcher Art diese schändlichen
Fesseln zu tragen!
So lernte ich Ihr Geschlecht kennen, mein Freund, und wie rein haßte
ich's, da ich zu bemerken schien, daß selbst leidliche Männer im
Verhältnis gegen das unsrige jedem guten Gefühl zu entsagen schienen,
zu dem sie die Natur sonst noch mochte fähig gemacht haben.
Leider mußt ich auch bei solchen Gelegenheiten viel traurige
Erfahrungen über mein eigen Geschlecht machen, und wahrhaftig, als
Mädchen von sechzehn Jahren war ich klüger, als ich jetzt bin, jetzt,
da ich mich selbst kaum verstehe. Warum sind wir so klug, wenn wir
jung sind, so klug, um immer törichter zu werden!"
Der Knabe machte Lärm, Aurelie ward ungeduldig und klingelte. Ein
altes Weib kam herein, ihn wegzuholen. "Hast du noch immer Zahnweh?"
sagte Aurelie zu der Alten, die das Gesicht verbunden hatte. "Fast
unleidliches", versetzte diese mit dumpfer Stimme, hob den Knaben auf,
der gerne mitzugehen schien, und brachte ihn weg.
Kaum war das Kind beiseite, als Aurelie bitterlich zu weinen anfing.
"Ich kann nichts als jammern und klagen", rief sie aus, "und ich
schäme mich, wie ein armer Wurm vor Ihnen zu liegen. Meine
Besonnenheit ist schon weg, und ich kann nicht mehr erzählen." Sie
stockte und schwieg. Ihr Freund, der nichts Allgemeines sagen wollte
und nichts Besonderes zu sagen wußte, drückte ihre Hand und sah sie
eine Zeitlang an. Endlich nahm er in der Verlegenheit ein Buch auf,
das er vor sich auf dem Tischchen liegen fand; es waren Shakespeares
Werke und "Hamlet" aufgeschlagen.
Serlo, der eben zur Tür hereinkam, nach dem Befinden seiner Schwester
fragte, schaute in das Buch, das unser Freund in der Hand hielt, und
rief aus: "Find ich Sie wieder über Ihrem "Hamlet"? Eben recht! Es
sind mir gar manche Zweifel aufgestoßen, die das kanonische Ansehn,
das Sie dem Stücke so gerne geben möchten, sehr zu vermindern scheinen.
Haben doch die Engländer selbst bekannt, daß das Hauptinteresse sich
mit dem dritten Akt schlösse, daß die zwei letzten Akte nur kümmerlich
das Ganze zusammenhielten; und es ist doch wahr, das Stück will gegen
das Ende weder gehen noch rücken."
"Es ist sehr möglich", sagte Wilhelm, "daß einige Glieder einer Nation,
die so viel Meisterstücke aufzuweisen hat, durch Vorurteile und
Beschränktheit auf falsche Urteile geleitet werden; aber das kann uns
nicht hindern, mit eignen Augen zu sehen und gerecht zu sein. Ich bin
weit entfernt, den Plan dieses Stücks zu tadeln, ich glaube vielmehr,
daß kein größerer ersonnen worden sei; ja, er ist nicht ersonnen, es
ist so."
"Wie wollen Sie das auslegen?" fragte Serlo.
"Ich will nichts auslegen", versetzte Wilhelm, "ich will Ihnen nur
vorstellen, was ich mir denke."
Aurelie hob sich von ihrem Kissen auf, stützte sich auf ihre Hand und
sah unsern Freund an, der mit der größten Versicherung, daß er recht
habe, also zu reden fortfuhr: "Es gefällt uns so wohl, es schmeichelt
so sehr, wenn wir einen Helden sehen, der durch sich selbst handelt,
der liebt und haßt, wenn es ihm sein Herz gebietet, der unternimmt und
ausführt, alle Hindernisse abwendet und zu einem großen Zwecke gelangt.
Geschichtschreiber und Dichter möchten uns gerne überreden, daß ein
so stolzes Los dem Menschen fallen könne. Hier werden wir anders
belehrt; der Held hat keinen Plan, aber das Stück ist planvoll. Hier
wird nicht etwa nach einer starr und eigensinnig durchgeführten Idee
von Rache ein Bösewicht bestraft, nein, es geschieht eine ungeheure
Tat, sie wälzt sich in ihren Folgen fort, reißt Unschuldige mit; der
Verbrecher scheint dem Abgrunde, der ihm bestimmt ist, ausweichen zu
wollen und stürzt hinein, eben da, wo er seinen Weg glücklich
auszulaufen gedenkt. Denn das ist die Eigenschaft der Greueltat, daß
sie auch Böses über den Unschuldigen, wie der guten Handlung, daß sie
viele Vorteile auch über den Unverdienten ausbreitet, ohne daß der
Urheber von beiden oft weder bestraft noch belohnt wird. Hier in
unserm Stücke wie wunderbar! Das Fegefeuer sendet seinen Geist und
fordert Rache, aber vergebens. Alle Umstände kommen zusammen und
treiben die Rache, vergebens! Weder Irdischen noch Unterirdischen
kann gelingen, was dem Schicksal allein vorbehalten ist. Die
Gerichtsstunde kommt. Der Böse fällt mit dem Guten. Ein Geschlecht
wird weggemäht, und das andere sproßt auf."
Nach einer Pause, in der sie einander ansahen, nahm Serlo das Wort:
"Sie machen der Vorsehung kein sonderlich Kompliment, indem Sie den
Dichter erheben, und dann scheinen Sie mir wieder zu Ehren Ihres
Dichters, wie andere zu Ehren der Vorsehung, ihm Endzweck und Plane
unterzuschieben, an die er nicht gedacht hat."


IV. Buch, 16. Kapitel


Sechzehntes Kapitel
"Lassen Sie mich", sagte Aurelie, "nun auch eine Frage tun. Ich habe
Opheliens Rolle wieder angesehen, ich bin zufrieden damit und getraue
mir, sie unter gewissen Umständen zu spielen. Aber sagen Sie mir,
hätte der Dichter seiner Wahnsinnigen nicht andere Liedchen unterlegen
sollen? Könnte man nicht Fragmente aus melancholischen Balladen
wählen? Was sollen Zweideutigkeiten und lüsterne Albernheiten in dem
Munde dieses edlen Mädchens?"
"Beste Freundin", versetzte Wilhelm, "ich kann auch hier nicht ein
Jota nachgeben, Auch in diesen Sonderbarkeiten, auch in dieser
anscheinenden Unschicklichkeit liegt ein großer Sinn. Wissen wir doch
gleich zu Anfange des Stücks, womit das Gemüt des guten Kindes
beschäftigt ist. Stille lebte sie vor sich hin, aber kaum verbarg sie
ihre Sehnsucht, ihre Wünsche. Heimlich klangen die Töne der
Lüsternheit in ihrer Seele, und wie oft mag sie versucht haben, gleich
einer unvorsichtigen Wärterin, ihre Sinnlichkeit zur Ruhe zu singen
mit Liedchen, die sie nur mehr wachhalten mußten. Zuletzt, da ihr
jede Gewalt über sich selbst entrissen ist, da ihr Herz auf der Zunge
schwebt, wird diese Zunge ihre Verräterin, und in der Unschuld des
Wahnsinns ergötzt sie sich vor König und Königin an dem Nachklange
ihrer geliebten losen Lieder: vom Mädchen, das gewonnen ward; vom
Mädchen, das zum Knaben schleicht, und so weiter."
Er hatte noch nicht ausgeredet, als auf einmal eine wunderbare Szene
vor seinen Augen entstand, die er sich auf keine Weise erklären konnte.

Serlo war einigemal in der Stube auf und ab gegangen, ohne daß er
irgendeine Absicht merken ließ. Auf einmal trat er an Aureliens
Putztisch, griff schnell nach etwas, das darauf lag, und eilte mit
seiner Beute der Türe zu. Aurelie bemerkte kaum seine Handlung, als
sie auffuhr, sich ihm in den Weg warf, ihn mit unglaublicher
Leidenschaft angriff und geschickt genug war, ein Ende des geraubten
Gegenstandes zu fassen. Sie rangen und balgten sich sehr hartnäckig,
drehten und wanden sich sehr lebhaft miteinander herum; er lachte, sie
ereiferte sich, und als Wilhelm hinzueilte, sie auseinanderzubringen
und zu besänftigen, sah er auf einmal Aurelien mit einem bloßen Dolch
in der Hand auf die Seite springen, indem Serlo die Scheide, die ihm
zurückgeblieben war, verdrießlich auf den Boden warf. Wilhelm trat
erstaunt zurück, und seine stumme Verwunderung schien nach der Ursache
zu fragen, warum ein so sonderbarer Streit über einen so wunderbaren
Hausrat habe unter ihnen entstehen können.
"Sie sollen", sprach Serlo, "Schiedsrichter zwischen uns beiden sein.
Was hat sie mit dem scharfen Stahle zu tun? Lassen Sie sich ihn
zeigen. Dieser Dolch ziemt keiner Schauspielerin; spitz und scharf
wie Nadel und Messer! Zu was die Posse? Heftig, wie sie ist, tut sie
sich noch einmal von ungefähr ein Leides. Ich habe einen innerlichen
Haß gegen solche Sonderbarkeiten: ein ernstlicher Gedanke dieser Art
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    56.3 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    63.3 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 4 - 4
    Süzlärneñ gomumi sanı 4369
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1562
    43.7 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    58.7 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    64.7 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 4 - 5
    Süzlärneñ gomumi sanı 4335
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1588
    41.6 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    56.3 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    62.7 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre — Band 4 - 6
    Süzlärneñ gomumi sanı 3864
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1465
    43.8 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    57.5 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    64.0 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.