Rosshalde - 10

Süzlärneñ gomumi sanı 4510
Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1440
44.1 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
56.4 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
61.8 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
italki
„Es ist alles heilbar, Herr Veraguth. Mancher legt sich mit
Zahnschmerzen hin und ist nach ein paar Tagen tot, ein anderer hat alle
Symptome der schwersten Krankheit und kommt davon.“
„Ja, ja. Und kommt davon! Ich will nun gehen, Herr Doktor. Sie haben
sich viel Mühe mit mir gegeben. Aber Gehirnhautentzündung ist also nicht
heilbar?“
„Lieber Herr ...“
„Verzeihen Sie. Sie haben vielleicht schon andere Kinder mit dieser Ge––
mit dieser Krankheit behandelt? Ja? Sehen Sie! – Leben diese Kinder
noch?“
Der Sanitätsrat schwieg.
„Leben vielleicht zwei davon noch, oder eins?“
Es kam keine Antwort.
Der Arzt hatte sich, wie unwillig, zum Schreibtisch gewendet und ein
Fach geöffnet.
„Werfen Sie die Flinte nicht so ins Korn!“ sagte er mit verändertem Ton.
„Ob Ihr Kind davonkommt, wissen wir nicht. Es ist in Gefahr, und wir
müssen ihm helfen, soviel wir können. Wir alle müssen ihm helfen,
verstehen Sie, und Sie auch. Ich brauche Sie. – – Ich komme abends noch
einmal hinaus. Für alle Fälle gebe ich Ihnen hier ein Schlafpulver mit,
vielleicht können Sie selbst es brauchen. Und nun hören Sie: der Kleine
muß volle Ruhe haben und soll möglichst kräftige Nahrung bekommen. Das
ist die Hauptsache. Wollen Sie daran denken.“
„Gewiß. Ich werde nichts vergessen.“
„Wenn er Schmerzen hat oder sehr unruhig wird, helfen laue Bäder oder
Wickel. Haben Sie einen Eisbeutel? Ich werde einen mitbringen. Sie haben
doch Eis draußen? Also gut. – Wir wollen hoffen, Herr Veraguth! Es geht
jetzt nicht an, daß einer von uns den Mut verliert, wir müssen alle auf
dem Posten sein. Nicht wahr?“
Er schöpfte aus Veraguths Gebärde Vertrauen und begleitete ihn hinaus.
„Wollen Sie meinen Wagen haben? Ich brauche ihn erst um fünf Uhr
wieder.“
„Danke, ich gehe zu Fuß.“
Er ging die Straße hinab, die leer war wie vorher. Aus jenem offenen
Fenster klang immer noch die unfrohe Schülermusik. Er sah auf die Uhr,
es war nur eine halbe Stunde vergangen. Langsam ging er weiter, Straße
um Straße, rundum durch die halbe Stadt. Er scheute sich, sie zu
verlassen. Hier drinnen, in diesem blöden armen Häuserhaufen, da war
Medizingeruch und Krankheit, da war Not und Angst und Tod zu Hause, da
trugen hundert freudelos schmachtende Gassen alles Schwere mit und man
war nicht allein. Aber draußen, schien ihm, unter Bäumen und klarem
Himmel, zwischen Sensengeläute und Grillenzirpen mußte der Gedanke an
das alles viel schrecklicher, viel sinnloser, viel verzweifelter sein.
Es war Abend, als er staubig und todmüde nach Hause kam. Der Arzt war
schon dagewesen, aber Frau Adele war ruhig und schien noch nichts zu
wissen.
Während der Abendmahlzeit unterhielt sich Veraguth mit Albert über die
Pferde. Er fand immer wieder etwas zu sagen, und Albert ging darauf ein.
Sie sahen, daß Papa sehr müde sei, sonst nichts. Er aber dachte mit fast
höhnischem Ingrimm immer wieder: „Ich könnte den Tod in den Augen haben
und sie würden nichts merken! Das ist meine Frau, und das ist mein Sohn!
Und Pierre stirbt!“ So dachte er in traurigem Kreislauf, während er mit
hölzerner Zunge Worte formte, die niemanden interessierten. Und dann kam
noch ein Gedanke dazu: „So ist es recht! So will ich allein mein Leid
austrinken, bis der letzte bittere Tropfen erschöpft ist. So will ich
sitzen und heucheln und meinen armen Kleinen sterben sehen. Und wenn ich
dann noch lebe, dann ist nichts mehr, das mich bindet, und nichts, das
mir weh tun kann, dann will ich gehen und will nie in meinem Leben mehr
lügen, nie mehr einer Liebe glauben, nie mehr abwarten und feig sein ...
Dann will ich nur noch Leben und Tat und Vorwärtsgehen kennen, keinen
Frieden mehr, keine Trägheit mehr.“
In dunkler Wollust fühlte er das Weh in seinem Herzen brennen, wild und
unerträglich, aber rein und groß, wie er noch nichts und noch nie
gefühlt hatte, und vor der göttlichen Flamme sah er sein kleines,
unfrohes, unaufrichtiges und mißgestaltetes Leben wertlos dahinsinken,
keines Gedankens und nicht einmal eines Tadels mehr wert.
So saß er noch eine Abendstunde lang im halbdunkeln Krankenzimmer bei
dem Knaben, und so lag er eine brennend schlaflose Nacht, mit Inbrunst
seinem fressenden Leid hingegeben, nichts hoffend und nichts begehrend,
als von diesem Feuer verzehrt und reingebrannt zu werden bis in die
letzte zuckende Faser. Er verstand, daß es so sein müsse, daß er gerade
das Liebste und Beste und Reinste, was er besessen, weggeben und sterben
sehen müsse.


Sechzehntes Kapitel

Es ging Pierre schlecht, und sein Vater saß beinahe den ganzen Tag bei
ihm. Der Knabe hatte immerzu Kopfschmerzen, er atmete rasch und jeder
Atemzug war ein kleines, banges Stöhnen. Zuweilen wurde sein kleiner,
magerer Körper von kurzen Zuckungen geschüttelt oder bäumte sich in
steilem Bogen auf. Dann lag er wieder lange vollkommen regungslos, und
schließlich überfiel ihn ein krampfhaftes Gähnen. Dann schlief er eine
Stunde und begann nach dem Erwachen wieder dieses regelmäßige, klagende
Seufzen, mit jedem Atemzug.
Er hörte nicht, was man zu ihm sagte, und wenn man ihn, fast mit Gewalt,
emporrichtete und ihm zu essen eingab, nahm er es in mechanischer
Gleichgültigkeit. Beim schwachen Licht, denn die Vorhänge waren dicht
geschlossen, saß Veraguth lange Zeit mit tiefer Aufmerksamkeit über den
kleinen Knaben gebückt und schaute mit frierendem Herzen zu, wie aus dem
hübschen vertrauten Knabengesicht ein lieber zarter Zug um den andern
abhanden kam und dahinschwand. Was übrigblieb, war ein bleiches
frühaltes Gesicht, eine unheimliche Maske des Leidens, mit vereinfachten
Zügen, in welchen nichts als Schmerz und Ekel und tiefes Grauen zu lesen
war.
Zuweilen sah der Vater dieses entstellte Gesicht in Augenblicken des
Schlummers weich werden und einen Schimmer vom verlorenen Liebreiz
seiner gesunden Tage wiedergewinnen, dann schaute er unverwandt mit
dürstender Liebesgier, sich die hinsterbende Lieblichkeit noch einmal
und noch einmal einzuprägen. Dann schien ihm, in seinem ganzen Leben
habe er nie gewußt, was Liebe sei, nie bis zu diesen Augenblicken des
Wachens und Schauens.
Frau Adele war tagelang ahnungslos geblieben, erst allmählich hatte sie
Veraguths gespanntes und sonderbar entrücktes Wesen bemerkt und
schließlich beargwöhnt, und wieder erst nach Tagen begann sie den
Zusammenhang zu ahnen. Da nahm sie ihn an einem Abend, als er Pierres
Zimmer verließ, beiseite und sagte kurz mit einem Ton von Kränkung und
Bitterkeit: „Was ist nun mit Pierre? Was ist es? Ich sehe, daß du etwas
weißt.“
Er sah sie wie aus tiefer Zerstreutheit an und sagte mit trockenen
Lippen: „Ich weiß nicht, Kind. Er ist sehr krank. Siehst du das nicht?“
„Ich sehe es. Ich will nun wissen, was es ist! Ihr behandelt ihn ja fast
wie einen Todkranken, du und der Doktor. Was hat er dir gesagt?“
„Er hat mir gesagt, es stehe schlimm und wir müßten sehr für ihn Sorge
tragen. Es ist eine Art Entzündung in seinem armen Kopf. Wir wollen
morgen den Doktor bitten, daß er uns mehr sagt.“
Sie lehnte sich an einen Bücherschrank und griff mit der Hand über sich
in die Falten des grünen Vorhanges. Da sie schwieg, blieb er geduldig
stehen, sein Gesicht war grau und seine Augen sahen entzündet aus. Er
zitterte schwach mit den Händen, doch stand er beherrscht und hatte eine
Art von Lächeln, einen seltsamen Schimmer von Ergebung, Geduld und
Höflichkeit im Gesicht.
Langsam kam sie zu ihm herüber. Sie legte ihm die Hand auf den Arm und
schien in den Knien schwach zu werden. Ganz leise flüsterte sie: „Du
glaubst, daß er sterben muß?“
Veraguth hatte noch immer das schwache, törichte Lächeln um den Mund,
aber es liefen ihm kleine, hastige Tränen übers Gesicht. Er nickte nur
schwach mit dem Kopf, und da sie an ihm niederglitt und den Halt verlor,
hob er sie auf und half ihr auf einen Stuhl.
„Man kann es ja nicht sicher wissen,“ sagte er langsam und schwerfällig,
als wiederhole er mit Ekel eine alte Lektion, die ihm längst überdrüssig
geworden wäre. „Man darf den Mut nicht verlieren.“
„Man darf den Mut nicht verlieren,“ wiederholte er nach einer Weile
mechanisch, da sie wieder Kraft gewann und sich aufrecht setzte.
„Ja,“ sagte sie, „ja, du hast recht.“ Und wieder nach einer Pause: „Es
kann nicht sein. Es kann nicht sein.“
Und plötzlich stand sie wieder aufrecht, hatte Leben in den Augen und
alle Züge voll Verständnis und Trauer.
„Nicht wahr,“ sagte sie laut, „du wirst nicht zurückkommen? Ich weiß es.
Du willst uns verlassen?“
Er sah wohl, daß es ein Augenblick war, der keine Unaufrichtigkeit
erlaube. Darum sagte er kurz und ohne Ton: Ja.
Sie wiegte den Kopf hin und her, als müsse sie stark nachsinnen und
könne nicht damit fertig werden. Was sie aber nun sagte, kam aus keinem
Nachdenken und Überlegen, sondern floß ganz unbewußt aus der trüben,
trostlosen Bedrängtheit der Stunde, aus einer mutlosen Müdigkeit und vor
allem aus einem dunkeln Bedürfnis, irgend etwas gutzumachen und irgend
jemandem, der dafür noch erreichbar wäre, Gutes zu erweisen.
„Ja,“ sagte sie, „ich habe es mir so gedacht. Aber höre, Johann, Pierre
darf nicht sterben! Es darf nicht alles und alles jetzt auf einmal
italki
zusammenbrechen! Und weißt du – ich möchte dir das noch sagen: Wenn er
wieder gesund wird, sollst du ihn haben. Hörst du? Er soll bei dir
bleiben.“
Veraguth verstand nicht sofort. Nur langsam wurde ihm klar, was sie
gesagt habe, und daß nun das, worum er mit ihr gestritten und um
dessentwillen er Jahre und Jahre gezögert und gelitten hatte – daß das
ihm nun, wo es zu spät war, zugesprochen werde.
Es kam ihm unsäglich sinnlos vor, nicht nur daß er jetzt plötzlich haben
sollte, was sie ihm so lange versagt hatte, sondern noch mehr, daß
Pierre just in dem Augenblicke ihm gehören solle, wo er dem Tod
verfallen war. Nun würde er ihm also doppelt sterben! Es war verrückt,
es war um zu lachen! Es war so grotesk und widersinnig, daß er wirklich
nahe daran war, in ein bitteres Gelächter auszubrechen.
Aber sie meinte es ohne Zweifel ernst. Sie glaubte offenbar noch nicht
ganz daran, daß Pierre sterben müsse. Es war gütig, es war ein
ungeheures Opfer von ihr, das sie in der schmerzvollen Verwirrung des
Augenblicks aus irgendeiner dunkeln guten Regung bringen wollte. Er sah,
wie sie litt, wie sie bleich war und sich mit Mühe aufrecht hielt. Er
durfte nicht zeigen, daß er ihr Opfer, ihre seltsame verspätete Großmut
wie eine tödliche Verhöhnung empfand.
Sie begann schon mit Befremdung auf ein Wort von ihm zu warten. Warum
sagte er nichts? Glaubte er ihr nicht? Oder war er ihr so fremd
geworden, daß er nichts von ihr annehmen wollte, auch nicht dieses
größte Opfer, das sie ihm bringen konnte?
Schon begann ihr Gesicht vor Enttäuschung zu zucken, da fand er die
Herrschaft über sich wieder. Er nahm ihre Hand, bückte sich und berührte
sie leicht mit kühlen Lippen, und sagte: „Ich danke dir.“
Da kam ihm ein Gedanke, und mit wärmerem Ton fügte er hinzu: „Nun will
ich aber auch für Pierre sorgen dürfen. Laß mich die Nacht bei ihm
wachen!“
„Wir werden abwechseln,“ sagte sie mit Entschiedenheit.
Pierre war an diesem Abend sehr ruhig. Es brannte ein kleines Nachtlicht
auf dem Tische, dessen schwacher Schein den kleinen Raum nicht füllte
und sich gegen die Türe hin in braune Dämmerung verlor. Veraguth hörte
noch lange dem Atmen des Knaben zu, dann legte er sich auf den schmalen
Diwan, den er sich hatte hereinbringen lassen.
In der Nacht, gegen zwei Uhr, erwachte Frau Adele, machte Licht und
stand auf. Die Kerze in der Hand, kam sie in einen Schlafrock gehüllt
herüber. Sie fand alles still. Pierre zitterte leicht mit den Wimpern,
als das Licht sein Gesicht berührte, wachte aber nicht auf. Und auf dem
Diwan lag, in den Kleidern und leicht zusammengekrümmt, ihr Mann im
Schlafe.
Sie leuchtete auch ihm ins Gesicht und blieb eine kleine Weile bei ihm
stehen. Und sie sah sein Gesicht aufrichtig und unverstellt, mit allen
Falten und ergrauten Haaren, die Wangen erschlafft und die Augen
unterhöhlt.
„Auch er ist alt geworden,“ dachte sie mit einer Empfindung, die halb
Mitleid und halb Genugtuung war, und fühlte sich versucht, ihm das
struppige Haar zu streicheln. Doch tat sie es nicht. Sie ging unhörbar
wieder hinaus, und als sie nach Stunden morgens wiederkam, saß er längst
wach und aufmerksam an Pierres Bett und sein Mund und der Blick, mit dem
er grüßte, war wieder straff von der geheimnisvollen Kraft und
Entschlossenheit, in die er seit Tagen wie in einen Panzer gehüllt ging.
Für Pierre kam heute ein schlechter Tag. Er schlief lange und lag dann
mit offenen Augen und erstarrtem Blick, bis eine neue Welle von
Schmerzen ihn erweckte. Er warf sich tobend im Bett umher, ballte die
kleinen Fäuste und drückte sie auf die Augen, sein Gesicht war bald
totenhaft weiß, bald glühend rot. Und dann begann er zu schreien, in
ohnmächtiger Empörung gegen unerträgliche Qualen, und schrie so lange
und so jammervoll, daß sein Vater schließlich blaß und vernichtet
hinweggehen mußte, weil er es nimmer mit anhören konnte.
Er ließ den Arzt kommen, der an diesem Tage noch zweimal wiederkehrte
und am Abend eine Pflegerin mitbrachte. Gegen Abend verlor Pierre das
Bewußtsein, man schickte die Pflegerin zu Bett und Vater und Mutter
blieben die ganze Nacht wach im Gefühl, das Ende könne nimmer fern sein.
Der Kleine rührte sich nicht und sein Atem ging unregelmäßig, aber
kräftig.
Veraguth und seine Frau aber dachten beide an die Zeit, da Albert einst
sehr krank gewesen war und sie ihn gemeinsam gepflegt hatten. Und sie
empfanden beide, daß wichtige Erlebnisse sich nicht wiederholen können.
Mild und etwas müde sprachen sie mit flüsternden Stimmen über das
Krankenbett hinweg miteinander, aber kein Wort von der Vergangenheit,
kein Wort von damals. Gespenstisch berührte sie die Ähnlichkeit der
Situation und des Geschehens, sie selbst waren andere geworden, sie
waren nicht mehr dieselben Menschen, die damals genau so wie jetzt über
ein todkrankes Kind gebeugt miteinander gewacht und gelitten hatten.
Albert hatte indessen, von der stillen Unruhe und schleichenden Sorge im
Hause bedrückt, nicht einschlafen können. Mitten in der Nacht erschien
er auf Zehenspitzen halbangekleidet in der Türe, kam mit erregtem
Flüstern herein und fragte, ob er nichts tun, nicht etwas helfen könne.
„Danke,“ sagte Veraguth, „aber es ist nichts zu tun. Geh du schlafen und
bleibe gesund!“
Aber als jener gegangen war, bat er seine Frau: „Geh du ein wenig zu ihm
hinüber und tröste ihn.“
Das tat sie gerne, und sie empfand es als eine Freundlichkeit von ihm,
daß er daran gedacht hatte.
Erst gegen Morgen folgte sie dem Zureden ihres Mannes und ging zu Bett.
Bei Tagesanbruch erschien die Pflegerin und löste ihn ab. Bei Pierre
hatte sich nichts verändert.
Unschlüssig ging Veraguth durch den Park, er hatte keine Lust, noch zu
schlafen. Doch mahnten ihn die brennenden Augen und ein ersticktes,
schlaffes Gefühl der Haut. Er badete im See und hieß Robert Kaffee
bringen. Dann betrachtete er im Atelier seine Waldstudie. Sie war frisch
und flott gemalt, aber es war doch nicht eigentlich das, was er gesucht
hatte, und nun war es mit dem geplanten Bilde und mit dem Malen auf
Roßhalde vorbei.


Siebzehntes Kapitel

Seit einigen Tagen war es Pierre immer gleich gegangen. Ein- oder
zweimal am Tage bekam er Krämpfe und Schmerzanfälle, sonst lag er mit
dämmernden Sinnen halbschlummernd. Das warme Wetter hatte sich
inzwischen in einer ganzen Reihe von Gewittern erschöpft, es war kühl
geworden, und im schwach strömenden Regen verlor der Garten und die Welt
den satten Sommerglanz.
Veraguth hatte die Nacht endlich einmal wieder im eigenen Bett
zugebracht und viele Stunden tief geschlafen. Jetzt, da er sich bei
offenen Fenstern entkleidete, nahm er erst die trübe Kühle wahr; in den
letzten Tagen war er wie in Fiebermüdigkeit einhergegangen. Er beugte
sich aus dem Fenster und atmete, vor Kühle leise schauernd, die
Regenluft des lichtlosen Morgens ein. Es roch nach nasser Erde und nach
Herbstnähe, und er, der die Merkmale der Jahreszeiten mit überfeinen
Sinnen zu erfühlen gewohnt war, bemerkte mit Verwunderung, wie ihm
dieser Sommer fast ohne Spur wie ungefühlt entschwunden war. Ihm schien
es, als habe er in Pierres Krankenzimmer nicht Tage und Nächte, sondern
Monate hingebracht.
Er warf den Gummimantel über und ging ins Haus. Er erfuhr, der Kleine
sei früh erwacht, schlafe aber seit einer Stunde wieder, und so leistete
er Albert beim Frühstück Gesellschaft. Der große Junge nahm sich Pierres
Krankheit sehr zu Herzen und litt, ohne es merken lassen zu wollen,
unter der gedämpften Krankenatmosphäre und sorgenschweren Bedrücktheit
des Hauses.
Als Albert weggegangen war, um sich in seinem Zimmer an die
Schularbeiten zu machen, ging Veraguth zu Pierre, der noch schlief, und
nahm seinen Platz am Bette ein. Er hatte in diesen Tagen manchmal
gewünscht, es möge doch lieber rasch zu Ende gehen, schon um des Kindes
willen, das längst kein Wort mehr sprach und so erschöpft und gealtert
aussah, als wisse es selber, daß ihm nicht mehr zu helfen sei. Dennoch
wollte er keine Stunde versäumen und hielt seinen Posten am Krankenbett
mit einer eifersüchtigen Leidenschaft inne. Ach, wie oft war der kleine
Pierre einst zu ihm gekommen und hatte ihn müde oder gleichgültig
gefunden, in die Arbeit vertieft oder an Sorgen verloren, wie oft hatte
er zerstreut und ohne Teilnahme diese kleine magere Hand in der seinen
gehalten und kaum auf die Worte des Kindes gehört, deren jedes nun eine
unschätzbare Kostbarkeit geworden war! Davon war nichts gutzumachen.
Aber jetzt, da der arme Kerl in Qualen lag und allein mit seinem
unbewehrten, verwöhnten Kinderherzen dem Tod gegenüberstand, jetzt, da
er in wenigen Tagen alle Lähmung, allen Schmerz und alle angstvolle
Verzweiflung durchkosten mußte, mit denen Krankheit, Schwäche, Altern
und Todesnähe ein Menschenherz schrecken und erdrücken, jetzt wollte er
immer und immer bei ihm sein. Er wollte es, um sich selbst zu strafen
und weh zu tun, und er wollte es, um ja nicht zu fehlen und vermißt zu
werden, wenn je ein Augenblick käme, wo der Kleine nach ihm begehren
würde und wo er ihm einen kleinen Dienst, ein wenig Liebe erweisen
könnte.
Und siehe, an diesem Morgen wurde er belohnt. An diesem Morgen schlug
Pierre die Augen auf, lächelte ihn an und sagte mit einer schwachen,
zärtlichen Stimme: „Papa!“
Dem Maler schlug das Herz stürmisch, als er endlich die lang vermißte
Stimme wieder hörte, die ihn rief und sich zu ihm bekannte und die so
dünn und schwach geworden war. So lange hatte er diese Stimme nur noch
stöhnen und in dumpfen Leiden elend lallen hören, daß er vor Freude tief
erschrak.
„Pierre, mein Lieber!“
Er bückte sich zärtlich herab und küßte den lächelnden Mund. Pierre sah
frischer und glücklicher aus, als er ihn je wieder zu sehen gehofft
hatte, die Augen waren klar und bewußt, die tiefe Falte zwischen den
Brauen war beinahe verschwunden.
„Mein Herz, geht dir’s besser?“
Der Knabe lächelte und sah ihn wie verwundert an. Der Vater bot ihm die
Hand und er legte sein Händchen hinein, das niemals sehr stark gewesen
und nun so klein und weiß und müde war.
„Nun sollst du gleich Frühstück bekommen, und nachher erzähle ich dir
Geschichten.“
„O ja, vom Herrn Rittersporn und von den Sommervögeln,“ sagte Pierre,
und wieder war es seinem Vater wie ein Wunder, daß er sprach und
lächelte und wieder ihm gehörte.
Er brachte ihm sein Frühstück, Pierre aß willig und ließ sich noch zu
einem zweiten Ei überreden. Dann verlangte er nach seinem
Lieblingsbilderbuch. Der Vater schob vorsichtig einen der Vorhänge
beiseite, das bleiche Licht des Regentages kam herein und Pierre
versuchte aufzusitzen und Bilder anzusehen. Es schien ihm keine
Schmerzen zu machen, aufmerksam betrachtete er mehrere Blätter und
begrüßte die lieben Bilder mit kleinen Ausrufen der Freude. Dann
ermüdete ihn das Sitzen und die Augen begannen wieder ein wenig zu
schmerzen. Er ließ sich zurücklegen und bat den Papa, ihm ein paar von
den Versen vorzulesen, vor allem von dem kriechenden Günsel, der zum
Apotheker Gundermann kommt:
O Apotheker Gundermann,
O helft mir doch mit Salben!
Ihr seht, wie schlecht ich gehen kann,
Es reißt mich allenthalben!
Veraguth gab sich Mühe, er las so frisch und schelmisch, als er irgend
konnte, und Pierre lächelte dankbar. Doch schienen die Verse nicht mehr
ihre alte Kraft zu haben, als sei Pierre, seit er sie nimmer gehört, um
Jahre älter geworden. Mit den Bildern und Versen kam wohl die Erinnerung
an viele helle, lachend frohe Tage wieder, die alte Freude und
übermütige Lust aber konnte nicht wiederkommen, und ohne es zu
begreifen, blickte der Kleine in die eigene Kindheit, die vor Tagen, vor
Wochen noch Wirklichkeit gewesen war, schon mit der Sehnsucht und Trauer
eines Erwachsenen hinüber. Er war kein Kind mehr. Er war ein Kranker,
dem die Welt der Wirklichkeit schon entglitten war und dessen
hellsichtig gewordene Seele schon überall und ringsum mit ängstlicher
Witterung den wartenden Tod erfühlte.
Dennoch war dieser Morgen voll Licht und Glück, nach all den furchtbaren
Tagen. Pierre war still und dankbar und Veraguth fand sich wider seinen
Willen immer wieder von ahnender Hoffnung berührt. Es war am Ende doch
möglich, daß der Knabe ihm erhalten blieb! Und dann gehörte er ihm; ihm
allein!
Der Sanitätsrat kam und blieb lange an Pierres Bett, ohne ihn mit Fragen
und Untersuchungen zu quälen. Erst jetzt kam auch Frau Adele dazu, die
sich mit der Pflegerin in die letzte Nachtwache geteilt hatte. Sie war
von der merkwürdigen Besserung wie benommen, sie hielt Pierres Hände so
fest, daß es ihm weh tat, und gab sich keine Mühe, die erlösenden Tränen
zu verbergen, die ihr aus den Augen liefen. Auch Albert durfte eine
kleine Weile hereinkommen.
„Es ist wie ein Wunder,“ sagte Veraguth zum Doktor. „Sind Sie nicht auch
überrascht?“
Der Sanitätsrat nickte und lächelte freundlich. Er widersprach nicht,
aber er zeigte offenbar keine übermäßige Freude. Sogleich wurde der
Maler wieder von Mißtrauen überfallen. Er beobachtete jede Gebärde des
Arztes und er sah in dessen Augen, während sein Gesicht lächelte, die
kalte Aufmerksamkeit und beherrschte Sorge ungelöst. Nachher belauschte
er lauernd durch den Türspalt das Gespräch des Doktors mit der
Pflegerin, und obwohl er kaum ein Wort davon verstehen konnte, meinte er
doch aus dem strengen, gemessen ernsten Flüsterton nichts als Gefahr
herauszuhören.
Schließlich begleitete er ihn zum Wagen und fragte in der letzten
Minute: „Sie halten nicht viel von dieser Besserung?“
Das häßliche, beherrschte Gesicht wandte sich zu ihm zurück. „Seien Sie
froh, daß er ein paar gute Stunden hat, der arme Bursche! Wir wollen
hoffen, daß es recht lange anhält.“
Es stand nichts von Hoffnung in seinen klugen Augen zu lesen.
Eilig, um keinen Augenblick zu verlieren, kehrte er ins Krankenzimmer
zurück. Die Mutter erzählte gerade die Geschichte vom Dornröschen, er
setzte sich daneben und sah zu, wie Pierres Züge dem Märchen folgten.
„Soll ich noch etwas erzählen?“ fragte Frau Adele.
Der Knabe blickte aus großen, ruhigen Augen auf.
„Nein,“ sagte er etwas müde. „Später.“
Sie ging, nach der Küche zu sehen, und der Vater nahm Pierres Hand. Sie
schwiegen beide, aber von Zeit zu Zeit sah Pierre mit einem schwachen
Lächeln auf, als freue er sich, daß Papa bei ihm sei.
„Nun geht es dir viel besser,“ sagte Veraguth schmeichelnd.
Pierre errötete leicht, seine Finger bewegten sich spielend in des
Vaters Hand.
„Nicht wahr, du hast mich lieb, Papa?“
„Gewiß, Schatz. Du bist mein lieber Junge, und wenn du wieder gesund
bist, wollen wir immer beieinander bleiben.“
„Ja, Papa ... Ich bin einmal im Garten gewesen, und da war ich ganz
allein und ihr habt mich alle nimmer liebgehabt. Ihr müßt mich aber
liebhaben, und ihr müßt mir helfen, wenn es wieder weh tut. O, es hat
mir so weh getan!“
Er hatte die Augen halb geschlossen und sprach so leise, daß Veraguth
sich dicht zu seinem Munde hinabbeugen mußte, um ihn zu verstehen.
„Ihr müßt mir helfen. Ich will artig sein, immer, ihr dürft mich nicht
schelten! Nicht wahr, ihr scheltet mich nie? Du mußt es auch Albert
sagen.“
Seine Lider zitterten und öffneten sich wieder, aber der Blick war
dunkel und die Pupillen übergroß.
„Schlafe, Kind, schlaf nur! Du bist müde. Schlafe, schlafe, schlafe.“
Veraguth schloß ihm vorsichtig die Lider und summte ihn ein, wie er es
früher in Pierres Babyzeiten manchmal getan hatte. Und der Kleine schien
einzuschlafen.
Nach einer Stunde kam die Pflegerin, um Veraguth zu Tische zu bitten und
inzwischen bei Pierre zu bleiben. Er ging ins Speisezimmer, nahm still
und zerstreut einen Teller Suppe und hörte kaum, was neben ihm
gesprochen wurde. Das angstvoll zärtliche Liebesgeflüster des Kindes
klang süß und traurig in ihm fort. Ach wie viel hundertmal hätte er so
mit Pierre reden und das naive Vertrauen seiner sorglosen Liebe spüren
können, und hatte es nicht getan!
Mechanisch griff er nach der Flasche, um sich Wasser einzuschenken. Da
klang von Pierres Zimmer schneidend ein lauter, gellender Schrei
herüber, der riß Veraguths wehmütigen Traum mitten durch. Alle sprangen
mit erbleichten Gesichtern empor, die Flasche fiel um, rollte über den
Tisch und klirrte zu Boden.
Mit einem Sprung war Veraguth aus der Türe und drüben.
„Den Eisbeutel!“ rief die Pflegerin.
Er hörte nichts. Nichts als den furchtbaren, verzweifelnden Schrei, der
ihm im Bewußtsein stak wie ein Messer in der Wunde. Er stürzte ans Bett.
Da lag Pierre schneeweiß mit gräßlich verzogenem Munde, seine
abgemagerten Glieder krümmten sich in wütenden Krämpfen, die Augen
stierten in vernunftlosem Entsetzen. Und plötzlich tat er nochmals einen
Schrei, noch wilder und heulender, und bäumte sich hoch im Bogen auf,
daß die Bettstatt zitterte, ließ sich fallen und bog sich wieder empor,
vom Schmerz gespannt und zusammengebogen wie eine Gerte von zornigen
Knabenhänden.
Alle standen entsetzt und hilflos, bis die Befehle der Pflegerin Ordnung
schafften. Veraguth lag auf den Knien vor dem Bett und suchte zu
verhindern, daß Pierre in seinen Zuckungen sich verletze. Trotzdem hieb
sich der Kleine die rechte Hand an dem metallenen Bettrande blutig. Dann
sank er zusammen, drehte sich um, daß er auf den Bauch zu liegen kam,
verbiß sich schweigend ins Kissen und fing an, mit dem linken Bein
taktmäßig auszuschlagen. Er hob das Bein, ließ es mit einer stampfenden
Bewegung wieder fallen, ruhte einen Augenblick und begann dann dieselbe
Bewegung von neuem, zehnmal, zwanzigmal, und immer weiter.
Die Frauen waren an der Arbeit, Umschläge vorzubereiten, Albert hatte
man weggeschickt. Veraguth kniete noch immer und sah zu, wie mit
unheimlicher Regelmäßigkeit unter der Decke das Bein sich hob, sich
streckte und niederfiel. Da lag sein Kind, dessen Lächeln noch vor
Stunden wie ein Sonnenschein gewesen war und dessen flehendes
Liebesgestammel noch eben sein Herz bis in die letzte Tiefe gerührt und
bezaubert hatte. Da lag es und war nichts als ein mechanisch zuckender
Körper, ein armes hilfloses Bündel von Schmerz und Jammer.
„Wir sind bei dir,“ rief er verzweifelt. „Pierre, Kind, wir sind da und
wollen dir helfen!“
Aber es gab keinen Weg mehr von seinen Lippen zur Seele des Knaben, und
alles beschwörende Trösten und sinnlose Zärtlichkeitsgeflüster drang
nicht mehr an die furchtbare Einsamkeit des Sterbenden. Der war weit weg
in einer anderen Welt, er wanderte dürstend durch ein Höllental voll
Pein und Todesnot, und vielleicht schrie er dort jetzt eben nach dem,
der neben ihm auf seinen Knien lag und der gerne jede Qual gelitten
hätte, um seinem Kinde zu helfen.
Jedermann wußte, daß dies das Ende war. Seit jenem ersten Schrei, der
sie aufgeschreckt hatte und der so bitter voll von tiefem, tierischem
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  • Rosshalde - 03
    Süzlärneñ gomumi sanı 4401
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1565
    40.8 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    53.2 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    59.1 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Rosshalde - 04
    Süzlärneñ gomumi sanı 4545
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1432
    44.8 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    57.9 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    64.1 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
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  • Rosshalde - 05
    Süzlärneñ gomumi sanı 4502
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1504
    43.8 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    58.3 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    63.8 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
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  • Rosshalde - 06
    Süzlärneñ gomumi sanı 4468
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1534
    41.4 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    56.2 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    62.0 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Rosshalde - 07
    Süzlärneñ gomumi sanı 4515
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1402
    44.8 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    57.5 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    63.5 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Rosshalde - 08
    Süzlärneñ gomumi sanı 4554
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1480
    45.1 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    58.7 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    64.8 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Rosshalde - 09
    Süzlärneñ gomumi sanı 4510
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1502
    40.6 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    55.0 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    60.9 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Rosshalde - 10
    Süzlärneñ gomumi sanı 4510
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1440
    44.1 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    56.4 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    61.8 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Rosshalde - 11
    Süzlärneñ gomumi sanı 2651
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1143
    43.7 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    56.9 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    61.8 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.