Goethes Briefe an Auguste zu Stolberg - 2

Süzlärneñ gomumi sanı 4620
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50.5 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
55.8 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
italki
-- nur ihre Briefe! -- Ihre Briefe! -- und _Nur_ dazu -- Und
doch brennen sie mich in der Tasche -- doch fassen sie mich wie
die Gegenwart wenn ich sie in Glücklichem Augenblick aufschlage
-- aber manchmal -- offt sind mir selbst die Züge der liebsten
Freundschafft todte Buchstaben, wenn mein Herz blind ist und taub
-- Engel es ist ein Schröcklicher Zustand die Sinnlosigkeit. In
der Nacht tappen ist Himmel gegen Blindheit -- Verzeihen Sie mir
denn diese Verworrenheit und das all -- Wie wohl ist mir's dass
ich so mit Ihnen reden kann, wie wohl bey dem Gedancken, Sie wird
dies Blat in der Hand halten! _Sie! Dies Blat!_ das ich berühre
das iezt hier auf dieser Stäte noch weis ist. Goldnes Kind. Ich
kann doch nie ganz unglücklich seyn.
Jezt noch einige Worte -- Lang halt ich's hier nicht aus ich muss
wieder fort -- Wohin! --
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
Ich mache Ihnen Striche denn ich sas eine Viertelstunde in Gedancken
und mein Geist flog auf dem ganzen bewohnten Erdboden herum. Unseeliges
Schicksaal das mir keinen Mittelzustand erlauben will. Entweder auf
einem Punckt, fassend, festklammernd, oder schweifen gegen alle vier
Winde! -- Seelig seyd ihr verklärte Spaziergänger, die mit zufriedner
Anständiger Vollendung ieden Abend den Staub von ihren Schuhen
schlagen, und ihres Tagwercks Göttergleich sich freuen -- -- --
Hier fliest der Mayn, grad drüben liegt _Bergen_ auf einem
Hügel hinter Kornfeld. Von der Schlacht bey Bergen haben Sie
wohl gehört. Da lincks unten liegt das graue Franckfurt mit dem
ungeschickten Turn, das iezt für mich so leer ist als mit Besemen
gekehrt, da rechts auf artige Dörfgen, der Garten da unten, die
Terasse auf den Mayn hinunter. -- Und auf dem Tisch hier ein
Schnupftuch, ein Pannier ein Halstuch drüber, dort hängen des
lieben Mädgens Stiefel. #NB.# Heut reiten wir aus. Hier liegt
ein Kleid eine Uhr hängt da, viel Schachteln, und Pappedeckel, zu
Hauben und Hüten -- Ich hör ihre Stimme -- -- Ich darf bleiben,
sie will sich drinne anziehen. -- Gut Gustgen ich hab ihnen
beschrieben wie's um mich herum aussieht, um die Geister durch
den sinnlichen Blick zu vertreiben -- -- Lili war verwundert mich
da zu finden, man hatte mich vermisst. Sie fragte an wen ich
schriebe. Ich sagts ihr. Adieu Gustgen. Grüssen Sie die Gräfin
Bernsdorf Schreiben Sie mir. Die Silhouette werden ihnen die
Brüder geschickt haben Lavater hat die vier Heumans Kinder sehr
glücklich stechen lassen.
Der unruhige //

Lassen Sie um Gottes willen meine Briefe niemand sehn.


Der achte Brief

Ja lieb Gustgen gleich fang ich an d. 14. Sept. im Moment da ich
ihren Brief endige, sehen Sie wie hoch und klein, wie viel ich zu
schreiben dencke. Heut bin ich ruhig, da liegt zwar meist eine
Schlang im Grase. Hören Sie, ich hab immer eine Ahndung, sie
werden mich retten, aus tiefer Noth, kanns auch kein Weiblich
Geschöpf als Sie. Dancke zuerst für Ihre lebendige Beschreibung
alles was Sie umgiebt, hätt ich nur iezt noch einen Schattenriss
von Ihrer ganzen Figur! Könnt ich kommen. Neulich reisst ich zu
Ihnen! Durchzog in trauriger Gestalt Deutschland, sah mich weder
rechts noch lincks um, nach Coppenhagen, und kam und trat in ihr
Zimmer, und fiel mit Trähnen zu ihren Füssen, und rief Gustgen
bist dus! -- Es war eine seelige Stunde, da mir das lebendig
im Kopf und Herzen war. Was Sie von Lili sagen ist ganz wahr.
Unglücklicher Weise macht der Abstand von mir das Band nur fester
das mich an sie zaubert. Ich kann ich darf Ihnen nicht alles
sagen. Es geht mir zu nah ich mag keine Erinnerungen. Engel! Ihr
Brief hat mir wieder in die Ohren geklungen wie die Trompte dem
eingeschlafnen Krieger. Wolte Gott Ihre Augen würden mir Ubalds
Schild, und liessen mich tief mein unwürdiges Elend erkennen, und
-- Ja Gustgen wir wollen das lassen -- über des Menschen Herz
lässt sich nichts sagen, als mit dem Feuerblick des Moments. Nun
soll ich zu Tische

_Nach Tische._ Dein Gut Wort würckte in mir, da sprachs auf
einmal in mir, sollts nicht übermäsiger Stolz seyn zu verlangen,
dass dich ganz das Mädgen erkennte und so erkennend liebte,
erkenn ich sie vielleicht auch nicht, und da sie anders ist wie
ich, ist sie nicht vielleicht besser. -- Gustgen! -- Lass mein
Schweigen dir sagen, was keine Worte sagen können.

Gute Nacht Gustgen! Heut einen guten Nachmittag, der selten ist
-- mit Grosen, das noch seltner ist -- Ich konnte zwey Fürstinnen
in Einem Zimmer lieb und werth haben. Gute Nacht. Will dir so ein
Tagbuch schreiben, ist das beste. Thu mir's auch so ich hasse die
Briefe und die Erörterungen und die Meynungen. Gute Nacht! So! --
ich sehe zurück, schon dreymal, ists doch als wenn ich verliebt
in dich wäre! und den Hut immer nähme und wieder niederlegte.
Wie wollt ich du könntest nur acht Tage mein Herz an deinem,
meinen Blick in deinem fühlen. Bey Gott was hier vorgeht ist
unaussprechlich fein und schnell und nur dir vernehmbar.
Gute Nacht.

d. 15. Guten Morgen. Ich hab eine gute Nacht gehabt. Und bin iezt
recht wie ein Mädgen. Sie rathen nicht was mich beschäfftigt,
eine Maske, auf kommenden Dienstag wo wir Ball haben.
Nach Tisch! -- Ich komme geschwind gelaufen, dir zu sagen was mir
drüben in der andern Stube durch den Kopf fuhr: Es hat mich doch
kein Weiblich Geschöpf so lieb wie Gustgen.
Und meine Masque wird eine altdeutsche Tracht, schwarz und Gelb,
Pumphose, Wämslein, Mantel und Federstuzhut. Ach wie danck ich
Gott dass er mir diese Puppe auf die paar Tage gegeben hat, wenns
so lang währt.
halb viere. In Brunnen gefallen wie ichs ahndete. Meine Masque
wird nicht gemacht. Lili kommt nicht auf den Bal. Aber dürft
ich, könnt ich alles sagen! -- Ich thats sie zu _ehren_ weil
ich deklarirt für sie bin, und eines Mädgens Herz pp. -- Also
Gustgen! -- Ich thats auch halb aus Truz, weil wir nicht
sonderlich stehn die acht Tage her. Und nun! -- Sieh Gustgen!
so kanns allein werden wenn ich dir so von Moment zu Moment
schreibe. -- -- halb 5. ich wollt ich könnt mich dir darstellen
wie ich bin, du solltest doch dein Wunder sehn. Gott! so in dem
ewigen Wechsel, immer eben derselbe.
d. 16ten. Heut Nacht necksten mich halb fatale Träume. Heut früh
beym Erwachen klangen sie nach. Doch wie ich die Sonne sah sprang
ich mit beyden Füssen aus dem Bette, lief in der Stube auf und
ab, bat mein Herz so freundlich freundlich, und mir wards leicht,
und eine Zusicherung ward mir dass ich gerettet werden, dass noch
was aus mir werden sollte: Gutes muths denn Gustgen. Wir wollen
einander nicht auf's ewige Leben vertrösten! Hier noch müssen wir
glücklich seyn, hier noch muss ich Gustgen sehn, das einzige
Mädgen deren Herz ganz in meinem Busen schlägt. -- Nach Mittage
halb vier. Offen und gut der Morgen, ich that was, Lili eine
kleine Freude zu machen, hatte Fremde. Trieb mich nach Tische
spasend närrisch unter Bekannten und Unbekannten herum. Gehe iezt
nach Offenbach, um Lili heute Abend nicht in der Comödie morgen
nicht im Conzert zu sehen. Ich stecke das Blat ein und schreibe
draus fort.
Offenbach! Abends sieben. In einem Kreise von Menschen die mich
recht lieb haben, offt mit mir leiden! Es ist nun so! ich sizze
wieder an dem Schreibtischgen von dem ich Ihnen schrieb eh ich in
die Schweiz ging. Lieb Gustgen -- da ist ein iunges Paar in der
Stube das erst seit acht Tagen verheurathet ist! eine iunge Frau
liegt auf dem Bette die der angenehmsten Hoffnung eines lieben
Kindes entgegen schmerzet. Ade für heute. Es ist Nacht und der
Mayn blinckt noch aus den duncklen Ufern.
Offenbach. Sonntag d. 17ten Nachts zehen. -- Ist der Tag leidlich
u. stumpf herumgegangen, da ich aufstund war mirs gut, ich
machte eine Scene an meinem Faust. Vergängelte ein paar Stunden.
Verliebelte ein paar mit einem Mädgen davon dir die Brüder
erzählen mögen, das ein seltsames Geschöpf ist. Ass in einer
Gesellschafft ein Duzzend guter Jungens, so grad wie sie Gott
erschaffen hat. Fuhr auf dem Wasser selbst auf und nieder, ich
hab die Grille selbst fahren zu lernen. Spielte ein Paar Stunden
Pharao und verträumte ein Paar mit guten Menschen. Und nun sizz
ich dir gute Nacht zu sagen. Mir wars in all dem wie einer Ratte
die Gift gefressen hat, sie läuft in alle Löcher, schlurpft alle
Feuchtigkeit, verschlingt alles Essbaare das ihr in Weeg kommt
und ihr innerstes glüht von unauslöschlich verderblichem Feuer.
Heut vor acht Tagen war Lili hier. Und in dieser Stunde war ich
in der grausamst feyerlichst süsesten Lage meines ganzen Lebens
|: mögt ich sagen :| O Gustgen warum kann ich nichts davon sagen!
Warum! Wie ich durch die glühendsten Trähnen der Liebe, Mond und
Welt schaute und mich alles seelenvoll umgab. Und in der Ferne
die Waldhorn, und der Hochzeit Gäste laute Freuden. Gustgen auch
seit dem Wetter bin ich -- nicht ruhig aber still -- was bey mir
still heisst und fürchte nur wieder ein Gewitter das sich immer
in den harmlosesten Tagen zusammenzieht, und -- Gute Nacht Engel.
Einzigstes Einzigstes Mädgen -- und ich kenne ihrer Viele -- -- --
Montag d. 18. Mein Schiffgen steht bereit, ich werds gleich
hinunter lencken. Ein herrlicher Morgen, der Nebel ist gefallen
alles frisch und herrlich umher! -- Und ich wieder in die Stadt,
wieder ans Sieb der Danaiden! Ade! -- Ich hab einen offnen
frischen Morgen! O Gustgen! Wird mein Herz endlich einmal in
ergreifendem wahren Genuss und Leiden, die Seeligkeit die
Menschen gegönnt ward, empfinden, und nicht immer auf den Wogen
der Einbildungskrafft und überspannten Sinnlichkeit, Himmel auf
und Höllen ab getrieben werden. Beste ich bitte dich schreib mir
auch so ein Tagbuch. Das ist das einzige was die ewige Ferne
bezwingt. -- -- -- -- --
Montag Nacht halb zwölf. Franckf. an meinem Tisch. komme noch
dir gute Nacht zu sagen. Hab getrieben und geschwärmt biss
iezt. Morgen gehts noch ärger. O Liebste. Was ist das Leben
des Menschen. Und doch wieder die vielen Guten die sich zu mir
italki
sammeln! -- das viele Liebe das mich umgiebt -- -- --
Lili heut nach Tisch gesehn -- in der Comödie gesehn. Hab kein
Wort mit ihr zu reden gehabt -- auch nichts geredt! -- Wär ich
das los. O Gustgen -- und doch zittr' ich vor dem Augenblick da
sie mir gleichgültig, ich hofnungslos werden könnte. -- Aber ich
bleib meinem Herzen treu, und lass es gehn -- Es wird --
Dienstag sieben Morgens. -- Im Schwarm! Gustgen! ich lasse mich
treiben, und halte nur das Steuer, dass ich nicht strande. Doch
bin ich gestrandet ich kann von dem Mädgen nicht ab -- heut früh
regt sich s wieder zu ihrem Vortheil in meinem Herzen. -- Eine
grose schwere Lecktion! -- Ich geh doch auf den Ball einem süsen
Geschöpfe zu lieb, aber nur im leichten Domino, wenn ich noch
einen kriege. Lili geht nicht.
Nach Tische halb vier. Geht das immer so fort, zwischen kleinen
Geschäfften durch immer Müssiggang getrieben, nach Dominos und
Lappen waare. Hab ich doch mancherley noch zu sagen. Adieu. ich
bin ein Armer verirrter verlohrner -- -- Nachts Achte, aus der
Commödie und nun die Toilette zum Ball! O Gustgen wenn ich das
Blat zurücksehe! Welch ein Leben. Soll ich fortfahren? oder mit
diesem auf ewig endigen. Und doch Liebste, wenn ich wieder so
fühle dass mitten in all dem Nichts, sich doch wieder so viel
Häute von meinem Herzen lösen, so die convulsiven Spannungen
meiner kleinen närrischen Composition nachlassen, mein Blick
heitrer über Welt, mein Umgang mit den Menschen sichrer, fester,
weiter wird, und doch mein innerstes immer ewig allein der
heiligen Liebe gewiedmet bleibt, die nach und nach das Fremde
durch den Geist der reinheit der sie selbst ist ausstöst und so
endlich lauter werden wird wie gesponnen Gold. -- Da lass ich's
denn so gehn -- Betrüge mich vielleicht selbst. -- Und dancke
Gott. Gute Nacht. Addio. -- Amen: 1775.


Der neunte Brief

Wieder angefangen Mittwoch den 20. ob zum Zerreissen oder wie!
Genug ich fange an. Auf dem Ball bis sechs heut früh, nur zwey
Menuets getanzt, Gesellschafft gehalten einem süsen Mädgen, die
einen Husten hatte -- Wenn ich dir mein gegenwärtig Verhältniss
zu mehr recht lieben und edlen weiblichen Seelen sagen könnte!
wenn ich dir lebhafft! -- Nein wenn ich s könnte ich dürfts
nicht, du hieltests nicht aus. Ich auch nicht, wenn alles
auf einmal stürmte, und wenn Natur nicht in ihrer täglichen
Einrichtung uns einige Körner Vergessenheit schlucken lies.
Jezt ist's bald achte Nachts. Hab geschlafen bis 1, gegessen,
etwas besorgt, mich angezogen, den Prinzen von Meinungen mich
dargestellt, ums Thor gangen, in die Comödie. Lili sieben Worte
gesagt. Und nun hier. Addio.
Donnerst. den 21. Ich habe mir in Kopf gesezt mich heut wohl
anzuziehen. Ich erwarte einen neuen Rock vom Schneider den ich
mir hab in Lion sticken lassen, grau mit blauer Bordüre, mit
mehr Ungedult als die Bekandtschafft eines Manns von Geist der
sich auf eben die Stunde bey mir melden lies. Schon ist was
missglückt. Mein Perückenm. hat eine Stunde an mir frisirt und
wie er fort war riss ich's ein, und schickte nach einem andern,
auf den ich auch passe. -- -- --
Samstag den 23. Es hat tolles Zeug gesezt. Ich hab nicht zum
schreiben kommen können. Gestern lauter #Altessen#. Heut hab ich
einen Husten. Ade.
Sonntag den 8. Oct. Bisher eine grose Pause ich in wunderbaaren
Kälten und Wärmen. Bald noch eine grössere Pause. Ich erwarte
den Herzog v. Weimar der von Karlsruhe mit seiner herrlichen
neuen Gemahlinn Louisen von Darmstadt kommt. Ich geh mit ihm nach
Weimar. Deine Brüder kommen auch hin, und von da schreib ich
gewiss liebste Schwester. Mein Herz ist übel dran. Es ist auch
Herbstwetter drinn, nicht warm nicht kalt. Wann kommst Du nach
Hamburg?

Weimar den 22. Nov.
Ich erwarte deine Brüder, o Gustgen! was ist die Zeit alles mit
mir vorgangen. Schon fast vierzehn Tage hier, im Treiben und
Weben des Hofs. Adieu bald mehr. Vereint mit unsern Brüdern! Dies
Blättel sollst indess haben.
G.


Der zehnte Brief

Könntest du mein Schweigen verstehen! Liebstes Gustgen! -- Ich
kann, ich kann nichts sagen!
Weimar d. 11. Febr. 76. G.


Der elfte Brief

Kranck Gustgen! dem Todte nah! Gerettet liebster Engel, und das
mir alles auf einmal -- zu einer Zeit wo ich immer dachte warum
schreibt Gustgen nicht? Ist sie nicht mehr wie sonst, hat ihr
Stella nicht gezeugt dass ich ihr Alter bin, obschon ich nicht
schreibe, denn wie ich iezt lebe -- Ach Engel es ist Lästrung
wenn ich mit dir rede! ich will lieber gar nicht beten als mit
fremden Gedancken gemischt -- Auch dies schreib ich in des
Herzogs Zimmer den ich fast nicht verlasse. Mein Herz mein Kopf
-- ich weis nicht wo ich anfangen soll so tausendfach sind meine
Verhältnisse und neu, und wechselnd aber gut -- Gustgen nur Eine
Zeile von deiner Hand, nur Ein Wort dass du auch _mir_ wieder
lebst. Adieu Liebe! Liebe. Mittwoch nach Ostern 76.
G.


Der zwölfte Brief

Ach Gustgen! Welcher Anblick! so viel von deiner Hand! -- der
ersehnten erflehten -- noch heut Abend! -- du Liebe nur dies! eh
ich anfange zu lesen.

Und da ich gelesen habe eine solche gute Nacht wie sie der Himmel
der Erde bietet! -- Engel -- Ja Gustgen Morgen fang ich dir ein
Journal an! -- das ist alles was ich thun kann -- denn _der Dir
nicht schrieb bisher_ ist immer derselbe.
Nachts eilf den 16. May 76.
G.


Der dreizehnte Brief

d. 17. May. Morgens 8. Guten Morgen Gustgen. Nichts als dies zur
Grundlage eines Tagbuchs für dich. Ach du nimmst an dem unsteten
Menschen noch Theil, der seit er dir nichts von sich schrieb,
seltsame Schicksaale gehabt hat. Ich fühle dass ich Dir nicht
alles sagen kann drum mag ich nichts sagen. Adieu! --
In meinem Garten Gustgen gegen 10. Hab ein liebes Gärtgen vorm
Thore an der Ilm schönen Wiesen in einem Thale. ist ein altes
Häusgen drinne, das ich mir repariren lasse. Alles blüht alle
Vögel singen. Gustgen und Du bist kranck! -- d. 18. May. Gestern
konnt ich dir nichts mehr sagen. Der Husarn Rittmeister kam in
meinen Garten, ich ritt um eilf nach dem Lustschloss Belvedere wo
ich hinten im Garten eine Einsiedeley anlege, allerley Pläzgen
drinn für arme Krancke und bekümmerte Herzen. Ich ass mit dem
Herzog, nach Tisch ging ich zur Frau v. Stein einem Engel von
einem Weibe, frag die Brüder, der ich so offt die Beruhigung
meines Herzens und manche der reinsten Glückseeligkeiten zu
verdancken habe. der ich noch nichts von dir erzählt habe, das
mir viel Gewalt gekostet hat, heut aber will ich's thun will ich
tausend Sachen von Gustgen sagen. Wir gingen in meinen Garten
spazieren. Ihr Mann, ihre Kinder, ihr Bruder. ein paar Fräul.
Ilten. es kamen mehr zu uns wir gingen spazieren, begegneten der
Herzoginn Mutter und dem Prinzen, die sich zu uns [gesellten].
Wir waren ganz vergnügt. Ich verlies die Gesellschafft, ging noch
einen Augenblick zum Herzog und ass mit Fr. v. Stein zu Nacht.
Nun ists wieder schöner heitrer Tag. Soviel iezt. halb 9.
12 Uhr in meinem Garten. Da lass ich mir von den Vögeln was
vorsingen, und zeichne Rasenbäncke die ich will anlegen lassen,
damit Ruhe über meine Seele komme, und ich wieder von vorne mög
anfangen zu tragen und zu leiden. Gustgen könnt ich Dir von
meiner Lage sagen! die erwünschteste für mich, die glücklichste,
und dann wieder -- Ich sagte immer in meiner Jugend zu mir da so
viel tausend Empfindungen das schwanckende Ding bestürmten: Was
das Schicksal mit mir will, dass es mich durch all die Schulen
gehn lässt, es hat gewiss vor mich dahin zu stellen wo mich die
gewöhnlichen Qualen der Menschheit gar nicht mehr anfechten
müssen. Und iezt noch ich seh alles als Vorbereitung an. Ich hab
das ausgestrichen weils dunckel und unbestimmt gesagt war. Nach
Tische mehr.
Sonnabends Nachts 10 in meinem Garten. Ich habe meinen Philipp
nach Hause geschickt und will allein hier zum erstenmal schlafen.
Und so meinen Schlaf einweihen dass ich Dir schreibe. Die Maurer
haben gearbeit biss Nacht ich wollt sie aus dem Haus haben,
wollte -- o ich kann dir nicht ins Detail gehn. Den ganzen
Nachmittag war die Herzoginn Mutter da und der Prinz und waren
guten lieben Humors, und ich hab denn so herum gehausvatert, wie
alles weg war, ein Stück kalten Braten gessen und mit meinem
Philipp, |: lass Dir von den Brüdern von ihm erzählen :| von
seiner und meiner Welt geschwäzzt, war ruhig und bin's und hoffe
gut zu schlaffen zu holdem Erwachen. Gute Nacht beste. -- Es geht
gegen eilf ich hab noch gesessen und einen englischen Garten
gezeichnet. Es ist eine herrliche Empfindung dahausen im Feld
allein zu sizzen. Morgen frühe wie schön. Alles ist so still. Ich
höre nur meine Uhr tackcken, und den Wind und das Wehr von ferne.
gute Nacht. -- Sonntag früh d. 19. Guten Morgen! ein trüber aber
herrlicher Tag. Ich habe lang geschlafen, wachte aber gegen
vier auf, wie schön war das grün dem Auge das sich halbtruncken
aufthat. Da schlief ich wieder ein.
Nachts 10. Im Garten versteht sich iezt von selbst. ging um eilf
heut früh in die Stadt steckte mich in erbaare Kleider, machte
eine Visite, ging zum Herzog, einen Augenblick zur Herzoginn
Mutter, wir haben Italiäners hier die uns gute Güsse der Antiken
schaffen, dann bey Fr. v. Stein zu Tisch, wir hatten Lust uns zu
necken, um vier zu Wieland in Garten wo der Mahler Krause dazu
kam. Beyde mit mir in meinen Garten. Sie verliesen mich ich las
Guiberts Tacktick, da kam der Herzog und der Prinz mit noch
zween Guten Geistern. Wir schwazzten und trieben allerley. Fr.
von Stein mit ihrer Mutter kam von Oberweimar herunter spazieren
wir begleiteten sie, kehrten um, der Prinz verlies uns auch, ich
erzählte dem Herzog eine Geschichte eines meiner Freunde der sich
wunderlich durch die Welt schlagen musste, begleitet ihn nach der
Stadt, und kam allein zurück. Hier treu mein Tag, lieb Gustgen.
Ich hab so viel gedacht! dass ich's doch nur nicht so hinsagen
kann.
Montag d. 20. Süsser Morgen. Arbeiter in meinem Garten. Allerley
Beschäfftigungen! -- -- -- --
Bey der Herzoginn Mutter gessen. Nach Tische ging alles nach
Tiefurt wo der Prinz sich hat ein Pachtgut artig zurecht machen
lassen. Die Bauern empfingen ihn mit Musick, Böllern, ländlichen
Ehrenpforten, Kränzlein, Kuchen, Tanz, Feuerwerckspuffen,
Serenade und s. w. Wir waren vergnügt ich hatte das Glück
alles sehr schön zu sehen. Und nun bin ich im Garten hab eine
Viertelstunde nach dem Feuerzeug getappt und mich geärgert und
bin so froh dass ich iezt Licht habe Dir das zu schreiben.
Dadrüben auf dem Schlosse sah ich viel Licht indess ich nach
Einem Funcken schnappte, und wusste doch dass der Herzog gern mit
mir getauscht hätte, wenn er's in dem Augenblick hätte wissen
können. Es ist ein trefflicher Junge und wird wills Gott auch
ausgähren. Friz wird gute Tage mit uns haben, so wenig ich ihm
ein Paradies verspreche. Gute Nacht. Eine grose Bitte hab ich! --
Meine Schwester der ich so lang geschwiegen habe als dir, plagt
mich wieder heute um Nachrichten oder so was von mir. Schick ihr
diesen Brief, und schreib ihr! -- O dass ihr verbunden wärt! Dass
in ihrer Einsamkeit ein Lichtstral von dir auf sie hin leuchtete,
und wieder von ihr ein Trostwort zur Stunde der Noth herüber zu
dir käme. Lernt euch kennen. Seyd einander was ich euch nicht
seyn kann. Was rechte Weiber sind sollten keine Männer lieben,
wir sinds nicht werth. Gute Nacht halb eilfe.
Dienstag d. 21. früh 6 aufgestanden herrlicher kühler
Sonnenmorgen. Arbeiter im Garten. Ein Jäger bringt mir einen
iungen Fuchs.
Mittwoch d. 22. um 10 Uhr. Gestern wieder nach Tiefurth die
regierende Herzoginn war dort. Der Herzog und noch einige blieben
die Nacht drausen, heut früh ritten wir herein dem Maneuvre der
Husaren zuzusehn und nun bin ich wieder in meinem Garten.
Freytag d. 24 Morgens eilf in der Stadt. Habe viel ausgestanden
die Zeit. Mittw. Nachmittag brach ein Feuer aus im Hazfeldischen
5 Stunden von hier der Herzog ritt hinaus biss wir hinkamen lag
das ganze Dorf nieder, es war nur noch um Trümmern zu retten und
die Schul und die Kirche. Es war ein groser Anblick ich stand auf
einem Hause wo das Dach herunter war und wo unsre Schlauchsprizze
nur das untre noch erhalten sollte, und sieh Gustgen und hinter
und vor und neben mir feine Glut, nicht Flamme, tiefe hohlaugige
_Glut_ des niedergesuncknen Orts, und der Wind drein und dann
wieder da eine auffahrende Flamme, und die herrlichen alten Bäume
um's ort inwendig in ihren hohlen Stämmen glühend und der rothe
dampf in der Nacht und die Sterne roth und der neue Mond sich
verbergend in Wolcken. Wir kamen erst Nachts zwey wieder nach
Hause. Gestern Donnerst. d. 23 ist mir auch wieder wunderbaars
Wesen um den Kopf gezogen -- Was wirds werden, ich hab eben noch
viel auszustehen, das ists was ich in allen Drangsaalen meiner
Jugend fühlte, aber gestählt bin ich auch, und will ausdauern
bis ans Ende. Adieu. Nun hörst du wieder eine Weile nichts von
mir. Schreib mir aber wann dichs freut. Friz soll kommen wann er
gerne mag der Herzog hat ihn lieb wünscht ihn ie eher ie lieber,
will ihn aber nicht engen. Adieu. Ich bin ewig derselbe
G.
An meine Schwester die Addresse.
Frau Hofrath Schlosser
fr. Rheinhausen nach Emmedingen im Brisgau.


Der vierzehnte Brief

d. 28. Aug. Guten Morgen Gustgen! Wie ich aus dem Bette steige
guten Morgen. Ein herrlich schöner Tag aber kühl. Die Sonne liegt
schon auf meinen Wiesen! -- Der Thau schwebt noch über dem Fluss.
Lieber Engel warum müssen wir so fern von einander seyn. Ich will
hinüber ans Wasser gehn und sehn ob ich ein Paar Enten schiesen
kann.
Gegen 12. Ich verspätete mich auf der Jagt. Erwischte eine Ente.
Kam drauf gleich in das Getreibe des Tags und bin nun ganz
zerstreut. Adieu indess.
Nachmittag 4. Ich erwarte Wiel[an]ds Frau und Kinder. Habe heut
viel an dich gedacht.
Abends 7. Sie gehn eben von mir weg! -- Und nun nichts mehr. --
Gott sey Danck ein Tag an dem ich gar nicht gedacht, an dem ich
mich blos den sinnligen Eindrücken überlassen habe. Nun Adieu für
heut bestens.
d. 30. Es geht mir wie dir Gustgen, ich hab auch was auf dem
Herzen, also heraus damit.
Von Friz hab ich noch keinen Brief. Der Herzog glaubt noch er
komme, und man fragt nach ihm und ich kann nichts sagen. Lieb
Gustgen mir ist lieber für Frizzen dass er in ein würckendes
Leben kommt, als dass er sich hier in Cammerherrlichkeit
abgetrieben hätte. Aber Gustgen -- er nimmt im Frühjahr den
Antrag des Herzogs an, wird öffentlich erklärt, in allen unsern
Etats steht sein Nahme, er bittet sich noch aus den Sommer bey
seinen Geschwistern zu seyn, man lässt ihm alles, und nun kommt
er nicht. Ich weis auch dass Dinge ein Geheimniss bleiben müssen
-- Aber -- Gustgen ich habe noch was auf dem Herzen das ich nicht
sagen kann -- -- -- -- Und die, die man so behandelt, ist Carl
August Herzog zu Sachsen, und dein Goethe Gustgen. Lass mich das
iezt begraben, wir wollen dran wegstreichen. Adieu Engel ich muss
den Brief schliessen. Ich mach eine kleine Reise sonst kriegst du
ihn wieder lang nicht.
G.


Der fünfzehnte Brief

Danck Gustgen dass du aus deiner Ruhe mir in die Unruhe des
Lebens einen Laut herüber gegeben hast.
Alles geben Götter die unendlichen
Ihren Lieblingen ganz
Alle Freuden die unendlichen
Alle Schmerzen die unendlichen ganz.
So sang ich neulich als ich tief in einer herrlichen Mondnacht
aus dem Flusse stieg der vor meinem Garten durch die Wiesen
fliest; und das bewahrheitet sich täglich an mir. Ich muss
das Glück für meine Liebste erkennen, dafür schiert sie mich
auch wieder wie ein geliebtes Weib. Den Todt meiner Schwester
wirst du wissen. Mir geht in allem alles erwünscht, und leide
allein um andre. Leb wohl grüse Henrietten! Ist das noch eine
eurer Schwestern? oder Christels Frau? zwar sie hat der Brüder
Handschrifft! Wenn ich einmal wieder ans Schreiben komme, will
ich ia wol sehn ob ich dadrüber was sagen kan was sie will. Grüse
die Brüder und behaltet mich lieb.
Weimar d. 17. Jul. 77.
Goethe.


Der sechzehnte Brief

Beste! heute nur ein Wort, und ein paar Lieder von mir, komponirt
von einem lieben Jungen, dem Fülle im Herzen ist. Hier auch
ein Schattenriss von Klopstock. Die Lieder lassen Sie nicht
abschreiben auch nicht die Melodien. Nächstens kriegen Sie mehr.
Hier indess eine Grabschrifft.
Ich war ein Knabe warm und gut
Als Jüngling hatt ich frisches Blut
Versprach einst einen Mann
Gelitten hab ich u. geliebt
Und liege nieder ohnbetrübt
Da ich nicht weiter kann.
den 17. Merz 78.
G.


Der siebzehnte Brief

Für ihr Andencken liebes Gustgen danck ich Ihnen recht herzlich.
Die kleine gute Schardt will ein Zettelgen von mir, sie ist in
meinem Garten mit mehr Gesellschafft an einem schönen schwülen
Abend. Lange hab ich mir vorgesetzt Ihnen etwas zu schicken und
zu sagen, es ist aber kein stockigerer Mensch in der Welt als
ich wenn ich einmal ins stocken gerathe. Grüsen Sie die Brüder,
schreiben mir wieder einmal von sich, und knüpfen Sie wenn
Sie mögen den alten Faden wieder an, es ist ia dies sonst ein
weiblich Geschäfft. Adieu. Den 3. Juny 1780.
G.


Der achtzehnte Brief

Ihr Brief meine Beste hat mich beschämt, und mich meine
Nachlässigkeit verwünschen gemacht.
Zu Anfang des Jahrs redete ich mit der kleinen Schardt ab, Ihnen
ein Portefeuille zu mahlen und es zum Geburtstag zu schicken. Es
stand lange gestickt in meiner Stube und ich konnte nicht dazu
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    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1427
    38.6 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    50.5 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    55.8 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Goethes Briefe an Auguste zu Stolberg - 3
    Süzlärneñ gomumi sanı 4105
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 1574
    35.5 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    48.2 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    54.1 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.
  • Goethes Briefe an Auguste zu Stolberg - 4
    Süzlärneñ gomumi sanı 235
    Unikal süzlärneñ gomumi sanı 175
    53.1 süzlär 2000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    65.6 süzlär 5000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    67.8 süzlär 8000 iñ yış oçrıy torgan süzlärgä kerä.
    Härber sızık iñ yış oçrıy torgan 1000 süzlärneñ protsentnı kürsätä.